Bei meiner erfolglosen Suche nach einer gut aussehenden langen MTB Softshell Hose entschied ich mich schlussendlich für eine kurze Regenhose. Der Hauptgrund war bei dieser Entscheidung das Design. Weite Fahrradhosen müssen meiner Meinung nach nunmal ein wenig nach Motocross aussehen. Außerdem braucht man beim Mountainbiking nicht unbedingt Wasserschutz bis zum Knöchel. Wichtig ist, dass Gesäß, Schritt, Nieren und Oberschenkel trocken bleiben. Am Ende entschied ich mich für die Gordon Rainshort von Maloja. Sie ist ganz neu in der 2010er Kollektion von Maloja. Das Datenblatt verspricht Kompromisslosigkeit auch bei viel Niederschlag. Das habe ich natürlich im realen Mountainbike-Einsatz ausprobiert.
Technische Daten
Zu 100% wasserdicht, 100% winddicht und optimal atmungsaktiv verspricht der Anhänger an der Hose. Auf dem Schildchen steht groß SympaTex®. Das stärkt mein Vertrauen in die Softshell. Beim Blick auf die Küchenwaage sind mir vor positiver Begeisterung fast die Augen aus dem Kopf gefallen: In Größe S wiegt die Maloja Gordon nur 187 g! Das ist mal eine Ansage für eine weite MTB Short.
Der Preis ist leider auch eine sehr harte Ansage. 119,- EUR setzt Maloja als UVP an! Für eine kurze Mountainbike Hose ist das eigentlich schon unverschämt. Für diesen Preis kann man auch schon locker eine langbeinige Softshell-Hose bekommen.
Verarbeitung
Sowohl Obermaterial als auch Futter der Maloja Gordon Rainshort bestehen aus einem sehr glatten Softshell-Textil. Das verstärkt den psychologischen Eindruck, dass diese Hose Wind und Wasser draußen lässt. Allerdings weckt dieses dünne Gewebe auch die Angst, sich bei deftigem MTB Einsatz schnell Löcher in das teure Höschen zu reißen.
Gesäßbereich, Schritt und Oberschenkelinnenseite sind aus einem robusteren, grob gewebten Textilbogen (Cordura-ähnlich). Dieser Bereich der Hose wird beim Treten/Sitzen im Sattel am meisten strapaziert. Man sieht, Maloja macht sich Gedanken beim Design der Produkte.
Die Reißverschlüsse am Hosenstall und den 2 Taschen lassen sich mit spürbarem Widerstand bedienen. Man kann sie zwar einhändig öffnen, aber nicht schließen. Oberer Gesäßbereich und Hosenbund sehen durch das weiße Textil sehr schick aus. Viel wichtiger ist, dass der Hosenbund so hoch geschnitten ist, dass er die Nieren bedeckt. Auch hier hat Maloja mitgedacht.
Das klingt soweit alles ganz gut. Es gibt da leider ein ganz großes Aber. Dieses offenbart sich auf dem eingenähten Schildchen mit den Worten “Made in China”. Das muss im Normalfall nichts Schlechtes heißen. Für die Maloja Gordon Rainshort bedeutet das allerdings: teilweise unsaubere bzw. schiefe Nahtführung, eingenähte Fältchen an Verbindungstellen von Textilstreifen und gezogene Fäden im Schritt und an den Reißverschlüssen der Taschen. Das sind alles keine drastischen Mängel und ich bin bei vielen Kleidungsstücken bereit, darüber hinweg zu sehen. Aber wenn eine kurze Hose fast 120,- EUR kostet, bestehe ich auf absolute Spitzenqualität!
Tragegefühl und Funktion
Die Größe S ist für mich 1,70-Meter-Fliegengewicht perfekt geschnitten. Die Weite der Hosenbeine ist optimal. Sie ist zwar lässig, aber nicht zu weit für sportlich ambitioniertes Pedalieren. Ebenso trägt sich der hohe Hosenbund sehr angenehm und hält den Rücken auf angenehmer Temperatur. Etwas gewöhnungsbedürftig ist das sehr glatte Futter, das sich etwas kühl auf der Haut anfühlt. Dieses Gefühl weicht nach ein paar Minuten einem angenehmen Temperaturempfinden.
Wind- und Wasserdichtigkeit haben im Test voll und ganz bestanden. Dabei hat mich vor allem die Wasserdichtigkeit beeindruckt. Als ich am letzten Wochenende mein Mountainbike mit dem Kärcher gereinigt habe, konnte ich mich nicht zurückhalten. Da die Maloja Gordon Rainshort auch ganz schön verschmutzt war, hielt ich einfach mal den Kärcher mit niedrigster Druckstufe auf die Shorts. Das ist eine echte Alternative zur Waschmaschine!
Die irritierten Blicke der umstehenden Autoputzer machen das Ganze zu einem noch größeren Vergnügen.
In der linken Hosentasche der Rainshort hatte ich dabei noch mein Handy vergessen. Nach beendeter Reinigung musste ich feststellen, dass das total egal war. Denn es blieb absolut trocken, genau wie der Rest der von der Hose bedeckten Stellen.
Die Atmungsaktivität lässt sich wie immer nur sehr subjektiv bewerten. Eine weite Shorts ist natürlich schon konstruktionsbedingt sehr luftig. Deshalb konnte ich auf den bisher 300 Testkilometern keinen Wärme- oder Feuchtigkeitsstau feststellen.
Schöne Details
Die Maloja Gordon Rainshort bietet – wie die Vaude Flowride Jacket – eine zusätzliche Belüftung über die zwei Reißverschlusstaschen. Das ist zwar ein nettes Gimmick, aber bis jetzt habe ich diese Funktion nicht benötigt, weil die Hose auch so gut belüftet wird.
Im Hosenbund sind zwei Riemen eingenäht, über die man mittels Klettverschluss die Bundweite ein wenig einstellen kann. So kann man die Hose entweder sehr hoch – den unteren Rücken bedeckend – tragen oder sie lässig mit tiefem Schritt hängen lassen.
Das so emfpindlich wirkende Softshell Obermaterial mit Sympatex-Membran ist robuster als ich anfangs vermutete. Mein Sturz während der Trailview-Aufnahmen hinterließ keinerlei dauerhafte Spuren.
Die cleveren Details wären damit abgehakt. Nun zu den Schönen. Bei Bekleidung von Maloja wird eben auch sehr auf die optische Erscheinung wert gelegt. Der lässige Schnitt, die weiße Kontrast am Hosenbund, das reflektierende Logo auf dem rechten Hosenbein und der ebenso stark reflektierende Maloja-Schriftzug über die gesamte Gesäßbreite sehen einfach super aus.
Fazit
Die Maloja Gordon Rainshort besticht in Design und Funktion. Als lässige Mountainbike Shorts für Touren, Cross Country bis hin zu All Mountain kann man sie bei sehr schönem und auch sehr schlechtem Wetter tragen. Funktion, Passform und Gewicht sind in höchstem Maß zufriedenstellend.
Der Preis ist es nicht. Von vielen Herstellern kann man für 120,- EUR beinahe schon zwei – nur wenig schlechtere – MTB-Shorts kaufen. Die beanstandeten (kleinen) Verarbeitungsmängel sind für soviel Geld eigentlich nicht tragbar. Hier wünsche ich mir von Maloja eine verbesserte Qualität.
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Schickes Teil.
Vielleicht sollte ich mir auch mal eine kurze im “Motocrosslook” holen!
Kannst Du gern tun. Ich würde Dir aber trotzdem zu einem preiswerteren Modell raten.