Auch wenn man es zur Zeit noch nicht glauben mag, wird bald wieder Frühling. Das bedeutet Übergangswetter mit Regenschauern, starkem Wind und wechselhaften Temperaturen. Wer die Kleidung dann zu unvorsichtig wählt, fängt sich schnell eine saftige Erkältung ein.
Ob nun zu Fuß oder auf dem Bike, Softshell Jacken sind optimal für gegen dieses Wetter. Allerdings verlangen namhafte Hersteller gern über 150,- EUR für ein Einstiegsmodell mit Softshell-Fasern. Der durchschnittlich informierte Konsument lässt sich dann schnell von Firmen mit Wolfstatzen-Logo oder Nordgesicht überzeugen, nochmal bis zu 50,- EUR draufzuzahlen. Dieser Test soll den Preis-Leistungshorizont ein wenig erweitern. Seit November 2009 habe ich eine Softshell Jacke für unter 100,- EUR von der schwedischen Marke Pinewood im Test. Das Wetter von November bis Februar ist natürlich zu extrem für eine Übergangs-Softshell. Das nützte der Pinewood Rondane nichts. Sie wurde trotzdem getragen. Was hat sie dabei für eine Figur gemacht?
Preis und technische Daten
Das Beste zuerst: Die Pinewood Softshell Rondane wird mit einem Listenpreis von 89,95 EUR veranschlagt. Ich hatte sie im November bei Outdoor Renner sogar für nur 69,95 EUR bekommen. Angeboten wird sie in 3 Farben (blau, grün, schwarz). Eine 3-lagige Membran macht die Softshell winddicht und der Hersteller bezeichnet sie sogar als wasserdicht. Das Gewebe ist atmungsaktiv. Alle Reißverschlüsse sind wasserabweisend.
3 Reißverschluss- und 2 Innentaschen bieten ausreichend Platz für die wichtigsten Gegenstände.
Natürlich habe ich die Jacke mal auf die Waage gelegt. Die angezeigten 518 g sind gar nicht so schlecht für eine Softshell in dieser Preislage.
Diese Jacke ist übrigens nicht speziell für den Radsport entwickelt sondern eher als klassische Trekking-/Outdoor Softshell zu betrachten.
Verarbeitung und Design
Die Rondane von Pinewood wirkt in der Hand mehr wie eine Softshell für 180 EUR und nicht wie ein Modell, das nur die Hälfte kostet. Die hellgrauen Reißverschlüsse lassen die Jacke sportlich aber nicht übertrieben nach Outdoor-Bekleidung aussehen. In schwarz kann man sie zur normalen Alltagsbekleidung tragen, ohne gleich wie ein Pseudo-/Straßen-Outdoorer auszusehen. Die Hochwertigkeit des Designs wird von den 2 gestickten Pinewood-Logos (Brust und hinter dem Reißverschluss im Kragenbereich) fortgesetzt.
Beim Anblick der nicht verschweißten Nähte wage ich die absolute Wasserdichtigkeit zu bezweifeln. Wasserabweisend würde wohl besser passen. An den Nähten fielen mir im Testzeitraum zwei gezogene Fädchen auf. Die wurden artgerecht mit einem Feuerzeug gekürzt. Seitdem ist Ruhe.
Das Obermaterial der Rondane wirkt sehr fein strukturiert, hat aber eine angenehme Rauhigkeit, die sich gut anfasst. Das Futter ist aus einem dünnen netzartigen Gewebe. Es reicht aus, um das rauhe Obermaterial von der Haut fernzuhalten. Einen wärmedämmenden Effekt wird es aber nicht bewirken können.
Die Innenseite des Kragens ist mit einem Fleece-Streifen versehen. Es kratzt also nichts am Hals.
Sämtliche Reißverschlüsse sind hochwertig in die Jacke eingenäht. Die RV-Nähte der Brusttasche sind sogar laminiert. Alle Reißverschlüsse laufen angenehm leicht und lassen sich mit etwas Schmackes einhändig öffnen und schließen.
Insgesamt bin ich von der Verarbeitung der Jacke sehr überzeugt. Gezogene Fäden an Nahtstellen sind zwar unschön, haben aber selten ernste Folgen für die Haltbarkeit eines Kleidungsstücks.
Funktionelle Details
Die Pinewood Rondane ist durchdacht gestaltet. Das Rückenteil der Jacke ist ein wenig länger geschnitten als die Front. Das schützt den Hüftbereich auch vor Wind und Regen, wenn man sich in vornüber gebeugter bzw. sitzender Haltung befindet. Dadurch würde sich die Jacke sogar zum Fahrrad Fahren eignen.
Der – für Outdoor-Jacken – obligatorische Gummizug ist natürlich auch im unteren Jackenabschluss eingearbeitet. Mit zwei Spangen spannt man diesen nach Belieben spannen und sperrt damit jedes kalte Lüftchen aus. Die Ärmel können mit Klettriemen an den Handgelenken enger eingestellt werden. Wind kann hier also auch nicht rein.
Der Kragen schließ hoch unter dem Kinn ab. Damit man sich nicht am Reißverschluss aufscheuert, ist eine kleine Textillasche über dem RV-Abschluss angebracht.
Auch die 5 Taschen der Jacke zeigen keine Schwäche. Am genialsten finde ich die Brusttasche. Sie bietet genug Platz für ein ausgewachsenes Smartphone, trägt nicht auf und lässt sich gut mit dem rechten Arm bedienen. Perfekt. Die zwei seitlichen Jackentaschen sind groß genug, um die Hände darin vor Kälte zu schützen oder einen mittelgroßen Schlüsselbund (5 – 10 Schlüssel) bzw. Autoschlüssel zu verstauen. Die Innentaschen lassen sich zwar nicht verschließen, sind aber sehr tief geschnitten. Ein normalgroßes Herrenportemonnaie kann darin sicher aufbewahrt werden. Bei gefüllter Innentasche wird die Jacke nach vorn allerdings ganz schön ausgebeult. Wer sich daran stört, sollte den Bauch lieber einziehen. ![]()
Einziger Kritikpunkt wäre die fehlende Kapuze. Bei einer wind- und regenfesten Jacke sollte die schon dazu gehören. Ansonsten verfügt diese Jacke über alle Details, die man für den gemäßigten Trekking-Einsatz benötigt.
Tragegefühl und Klimatisierung
Die Jacke trägt sich prinzipiell recht unauffällig – mal vom dezenten Raschelgeräusch der Softshell abgesehen. Trotz des relativ steifen Obermaterials wird die Beweglichkeit nicht eingeschränkt. Dass netzartige Innengewebe trägt sich angenehm auf der Haut.
Diesen Winter hatten wir von November bis einschließlich Januar eigentlich ein perfektes Testwetter, um die Pinewood Softshell Rondane an ihre Grenzen zu bringen. Fehlanzeige. Die starken Stürme im November konnten durch die Jacke nicht zu mir vordringen. Weder durch die Ärmel, am Kragen oder über den unteren Jackenabschluss konnte ein Lüftchen eindringen.
Auch die novembertypischen Regengüsse kamen nicht durchs Textil. Die Wasserdichtigkeit der Jacke ist so natürlich noch nicht bewiesen. Das Prädikat wasserabweisend hat sie sich damit aber redlich verdient.
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Im Dezember und Januar hatten wir hier teilweise Temperaturen bis -20°C. Zu kalt für die Pinewood? Niemals! Na gut, nur mit ein wenig Schummelei lies sich die Jacke bei Minusgraden aushalten. Die bereits getestete North Face Aurora Fleece-Jacke übernahm dann die Wärmedämmung. Mehr als ein konventionelles Baumwoll-Longsleeve-Shirt war dann nicht mehr notwendig, um zweistellige Minusgrade auszuhalten. |
Fazit
Für den mode- und funktionsbewussten Freizeit-Outdoor-Sportler ist diese Jacke einfach unschlagbar. Extreme Wettersituationen wird sie nicht bewältigen können. Das schaffen ihre direkten (teilweise doppelt so teuren) Konkurrenten der großen Outdoor-Modemarken auch nicht.
Kleine Verarbeitungsmängel kann man bei dem sehr angenehmen Preis verschmerzen. Die wichtigen Kriterien, wie z.B. Funktion des Textils und durchdachte Details, sind erfüllt. Mit einer Kapuze wäre die Pinewood Softshell Rondane perfekt.
Zu den Softshell-Angeboten der Bergfreunde.
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