
Vor gut zwei Wochen habe ich ein Paar des Flipflop-Modells Bowen Costal der Marke Teva geschenkt bekommen. Was haben Flipflops mit Trails & Bikes zu tun, werden sich jetzt einige fragen. Ganz einfach: Es ist Sommer! ![]()
Teva ist seit 1982 als Hersteller für Outdoor-Sandalen am Markt. Populär wurde das Unternehmen durch eine selbst entwickelte Sportsandale, die auch mal einen Ausflug ins Wasser aushält und sehr guten Laufkomfort bietet. Adaptionen dieser Urform sind mittlerweile in jeder Preis- und Qualitätsklasse von verschiedenen Herstellern zu bekommen. Mehr Details findet Ihr im Lexikon.
Die Bowen Coastal wurden in den letzten zwei Wochen von mir bei jeder Gelegenheit getragen. Dabei wurde weder am Schuh noch an mir Rücksicht auf Verluste genommen. Lest selbst.
Die Testbedingungen für einen luftigen Flipflop waren im Juli ’09 wahrlich ungünstig: Regen, Temperaturen unter 15 °C und ein verrückter Mountainbiker, der sein Hab und Gut mehr an dessen Beschädigungshistorie als an optischen Reizen misst. Eins vorweg: Die Guten haben gewonnen. Die Sandalen haben überlebt. Das war nicht zu jedem Zeitpunkt selbstverständlich.
Nun erstmal die Fakten:
- Obermaterial und Fußbett aus wasserfestem Leder
- Sohle aus Traction-Rubber
- EVA-Zwischensohle mit dämpfender Wirkung
- Einsatzgebiet: Freizeit, Strand
Erster Schreck
Für jemanden wie mich – der sich für gewöhnlich Flipflops im Ausverkauf für 5,- EUR besorgt bzw. bei Kik von seiner Mutter klauen lässt – ist der Preis echt schockierend. 64,95 EUR kann man für das Paar Teva Bowen Coastal auf den Tisch legen. Da kommt natürlich die Vermutung auf, dass man für den Markennamen zur Kasse gebeten wird. Mit der Anmutung einer 5-Euro-Sandale sollte man den Bowen Coastal jedoch nicht vergleichen. Ich hab’s aber trotzdem getan.
Mein Paar als dezentes HDR-Foto
Die Verarbeitung
Wow! Weder grobe Textilgeflechte noch spröde Duroplaste zieren die Oberfläche der Flipflops. Nein… Es ist… Leder! Laut Hersteller soll es sogar wasserfest sein. Dennoch empfehle ich für den Schuherhalt eine regelmäßige Pflege mit Lederfett. Das Fußbett ist aus vernähten Lederstreifen geformt. Das sieht très chic aus. Bei meinem linken Flipflop war jedoch ein Streifen an der Sandalenspitze um ca. 1 mm kürzer als die anderen. Das beeinträchtigt die Funktionen einer Sandale natürlich nicht. Bei diesem Preis sollten solche Verarbeitungsmängel allerdings nicht erkennbar sein.
Die Sohle mit Wabenstruktur ist aus einem weichen Gummi , der durchaus für guten Grip auf dem Boden sorgen könnte.
Zwischen Sohle und Fußbett befindet sich noch eine schaumstoffartige Zwischenschicht (EVA-Zwischensohle). Diese dient der ergonomischen Ausformung des Fußbetts und der Dämpfung des Fußes.
Sohle und Zwischenschicht sind geklebt bzw. aufvulkanisiert (kann man nicht genau erkennen). Das Fußbett ist scheinbar mit der Zwischenschicht vernäht.
Ein cleveres Detail ist der Sandalenriemen, der durch zwei Schlitze in Fußbett und EVA-Schicht in den „Fuß-Unterbau“ geführt wird. Dort sitzen die Riemen fest und können nur schwer abreißen (häufiges Problem bei billigen Flipflops).
Passform und Tragegefühl
Die Schuhgröße wird nur in US-Größen angegeben. Ich bin eine klassische US 8 und auch für Teva Schuhe ist die US-8 genau meine Größe. Zumindest was die Länge vom Fußballen bis zur Ferse angeht. Hier stimmt die Länge meines Fußes mit der des Schuhs sehr genau überein.
Zwischen Zehen und Schuhspitze habe ich aber noch ca. 10 mm Platz. Dabei sehe ich mich eigentlich als „Langzeher“ an. Wer also von Mutter Natur an Stelle von Zehen, Fußfinger bekommen hat, kann trotzdem noch in den Teva Bowen Coastals am Strand spazieren gehen.
Beim ersten Anziehen fiel mir der sehr straffe Sitz des Riemens auf. Anfangs mag sich das etwas schwergängig anfühlen. Im Alltagseinsatz wird man die etwas engere Passform jedoch schnell zu schätzen wissen.
Das Fußbett ist so ausgeformt, dass es stützend auf die Wölbung zwischen Ferse und Vorderfußballen wirkt. Diese Form ist mir erstmals bei Sneakern von Onitsuka Tiger positiv aufgefallen. Denn damit wird der Zivilisationskrankheit Senkfuß entgegen gewirkt.
Die hier aufgeführten Punkte sind mit Sicherheit der Hauptgrund dafür, dass ich mit den Teva-Flipflops viel besser laufen kann als mit allen zuvor besessenen „Badelatschen“.
Das weiche Profil sorgt für erstaunlich gute Bodenhaftung. Unebenheiten am Boden geben informatives Feedback aber keine Schmerzen an den Fuß weiter.
Flipflop am Limit
Da das hier aber kein Spaziergänger-Blog ist, beginnt der richtige Test der Sandalen erst jetzt. Den Anfang macht eine Tätigkeit, die in Deutschland mit diesem Schuhwerk strikt verboten ist: Auto fahren. Und ja, auch mit diesen Schuhen geht das richtig bescheiden! Die Sohle hängt in der Fußmatte fest. Durch ihre dünne Ausführung macht sie präzise Kuppel-, Beschleunigungs- und Bremsvorgänge fast unmöglich. Und immer fährt die Angst mit, dass sich die Pedalerie zwischen Fußbett und Fuß verhakt. Merke: Nie mit Flipflops oder ähnlich leichtem Schuhwerk Auto fahren!
Das ist ja eigentlich ein Mountainbike-Blog… „Oh nein! Er wird doch nicht“… Oh doch, er hat! Mountainbike raus und los ging’s!
Wo man mit normalen Freizeit-Sneakern noch einigermaßen auf den Click-Pedalen Halt findet, gestaltet sich die Fliflop-Fahrt schon äußerst tricky. Auf technische Singletrails habe ich mich so nicht getraut. Mit Plattformpedalen kann man die Teva-Sandalen für Fahrradfahrten zum Bäcker oder zur Eisdiele schon verwenden. Alles, was mehr Pedalarbeit verlangt, würde ich nicht empfehlen.
Oft werden Flipflops auch als Jesus-Schlappen bezeichnet. Von Jesus wurde ja überliefert, dass er Wasser zu Wein machen konnte. Ach ja… über Wasser laufen konnte er auch! Also ab zur Talsperre Pöhl und aufs… Oooooh!… Ins Wasser!
Schade. Das funktionierte dann doch nicht.
Der Wassertest zeigte jedoch, dass Nässe dem Teva-Leder wirklich nicht viel ausmacht. Die ersten Tropfen blieben in Tröpfchen-/Pfützenform auf dem Leder. Erst bei massivem Wasserkontakt wurde es feucht. Nasse Stellen trockneten zügig und ohne Ränder. Aus Angst um die Schuhe habe ich sie trotzdem anschließend eingefettet.
Füße in Flipflop auf Kunstrasen
Fazit
Das kommt diesmal nicht nur von mir.
Freundin: Die sehen ja schick aus!
Mitarbeiter meines Fahrradhändlers: Die sehen mal richtig gut aus. Von Teva? Die bauen echt gute Schuhe… sind aber teuer.
Ich: Sie sind bequem und irgendwie mag ich sie. Es ist ein Flipflop. Aber ein absoluter Nobelflipflop. Ob ich ihn mir für diesen Preis gekauft hätte? Wohl eher nicht.
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{ 5 comments… read them below or add one }
Schöner Test… ;o)
Also auf’s Bike würde ich mich bei “Bärentatzen” nicht trauen – die Noppen gehen doch bestimmt durch die Sohle durch.
Aber als “Entspannungsprogramm” für die Füsse nach der Tour sind die bestimmt nicht schlecht.
@Stadtelch: Zum Entspannen und Nichtstun sind sie die optimale Ergänzung zur Badehose
“…Flipflops… bei Kik von seiner Mutter klauen lässt”… klaut deine Mutti auch deine Fahrradteile bei den einzelnen Händlern zusammen?
Die Bike-Parts hab ich im Lidl geklauft.
… der Apfel fällt nicht weit vom Stamm. Mit euch möchte ich mal einkaufen gehen!
Echt Toller Bericht und die Schuhe sehen auch cool aus. Kannst ja mal in Zukunft ein paar Sonderangebote vom Lidl und Kik posten und bewerten bzw. deine Muddi fragen.
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