Test: Vaude Flowride Jacket

by MTBTier on 07.05.2010 · 8 comments

in Bekleidung,Test

Vaude Flowride Jacket

Seit März wartet die Vaude Flowride Jacket in meinem Kleiderschrank auf eine herzhafte MTB-Regen-Tour. Denn genau dafür wurde sie von Vaude konzipiert: Regen, Wind und andere widrige Bedingungen, die Mountainbiker auf ihren Ausritten heimsuchen können.
Da sowohl Knie und Wetter jedoch nicht so richtig mitgespielt haben, musste ich mit der Softshell Jacke hauptsächlich im alltäglichen Einsatz ohne Mountainbike auf die Suche nach den optimalen Testbedingungen gehen. Dank des lässigen All-Mountain-/Enduro-Designs der Jacke, fiel auch im zivilen Einsatz nicht auf, dass es sich um eine Fahrradjacke handelte. Nur 60 km auf dem Bike, aber dafür viel Wind und einige Regengüsse im Alltag führten zu den folgenden Testergebnissen.

Technische Daten
Winddichte Textilien scheinen für den Outdoor-Sektor nicht sonderlich schwierig/teuer in der Herstellung zu sein. Anders sieht es bei der Wasserdichtigkeit aus. Der Vaude Flowride Jacket ist das allerdings egal. Sie ist sowohl wind- als auch wasserdicht. Laut Hersteller soll die Membran einer Wassersäule von bis zu 20.000 mm standhalten. Das entspricht einem statischen Wasserdruck von 2 bar. Das ist ungefähr das 10-fache an Wasserwiderstand, den man bei Zelten in der mittleren Preisklasse findet.
Wind- und wasserdichte Kleidung wird erst richtig aufwendig, wenn sie auch atmungsaktiv bleiben soll. Vaude gibt für die Flowride Jacket eine Atmungsaktivität von 20.000 g/m²/24 h an. Im Klartext beutet das, dass über 1 Quadratmeter der Membran binnen eines Tages 20 kg Wasserdampf entweichen können. Andere Outdoor-Jacken in meinem Kleiderschrank gehen hier mit Werten von nur 3.000 bis 5.000 g/m²/24 h hausieren.
Die Sprühflasche kann der Flowride Jacket nichts anhaben. Auf der Küchenwaage schlägt die robuste Softshell dann aber schon mit 477 g zu Buche. Sie ist nunmal keine Race-Jacke. Leider greift Vaude dem geneigten Biker für dieses Jäckchen ganz schön tief in die Tasche. 140,- EUR ist als Listenpreis angesetzt. Dafür bekommt man die Wahl zwischen den Farbkombinationen wood/black, black/SAP green und die hier geteste Variante in black/wood.

Verarbeitung und Tragegefühl
Zur Verarbeitung kann ich mich diesmal kurz fassen. Daran gibt es nichts zu meckern. Die Nähte sind sauber gearbeitet, die Reißverschlüsse laufen mit einem angenehmen Widerstand und nirgends war auch nur ein gezogener Faden zu sehen. Letzteres ist auch bei hochpreisiger Bekleidung leider sehr selten geworden. Die Jacke bringt eine Kapuze mit, die auf den ersten Blick zwar für den Radsport nicht notwendig erscheint, aber im Testbetrieb zu positiven Effekten führte, die später noch erwähnt werden. Kapuze, Jackensaum und Ärmelbündchen lassen sich mit Gummizügen spannen. Anders erwarte ich das von einer Wind- und Wetterjacke auch nicht.
Ebenso sinnvoll und unabdingbar ist das etwas länger geschnittene Rückenteil der Jacke. So bleiben Nieren, Becken und ein bisschen Po auch trocken, wenn man auf dem Fahrrad sitzt.
Das Innenfutter ist stark luftdurchlässig und sorgt für eine gute Ventilation. Das Innenfutter ist aus einem hauchdünnen luftdurchlässigen Mesh-Gewebe, das einfach nur ein bisschen Distanz zur Softshell-Membran schaffen soll.
Mit reflektierenden Schriftzügen ist Vaude etwas sparsam umgegangen. Ein Vaude-Schriftzug auf der Kapuze, einer am rechten Ärmelbund und einer links oberhalb des Jackensaums. Damit wird man im Dunkeln wohl kaum auf sich aufmerksam machen können. Schick ist allerdings, dass diese Schriftzüge in der Sekundärfarbe (hier: wood) gehalten sind, beim Bestrahlen mit Licht reflektieren sie aber grell weiß.
Mit meinen normalen bis schlanken 1,70 m Körpergröße passt mir die Flowride Jacket in Größe S perfekt. Auf die offizielle Maßtabelle von Vaude kann man sich diesbezüglich also locker verlassen.
Im Alltagsgebrauch trägt sich die Softshell-Jacke wie eine gewöhnlich sportlich geschnittene Jacke. Sie stört nicht. In Anbetracht des weiten Schnitts hatte ich anfangs jedoch Bedenken, inwiefern man damit wirklich komfortabel biken kann. Nach dem ersten Ausritt mit der Jacke waren diese Zweifel sofort vergessen. Nichts kneift, kratzt oder behindert einen in der Bewegung. Einzig das sehr laute Rascheln der Membran kann stören. Das muss man bei Softshell-Textilien aber eigentlich immer in Kauf nehmen.

Die Funktion
Winddicht ist die Flowride Jacket auf jeden Fall. Kein Lüftchen kommt durch das Gewebe oder die Reißverschlüsse. Die Gummizüge an Kragen, Saum und Ärmeln verhindern die Bildung von Kältebrücken. Besonders auf dem Fahrrad war ich bei kalten Böen dankbar über die Kapuze. Sie bedeckt im herunter geklappten Zustand den Nacken bis zur Unterkante des Helms. Zugluft bleibt draußen.
Auch von der Wasserdichtigkeit bin ich beeindruckt. Sowohl beim Sprühtest zuhause als auch im Praxiseinsatz zeigte die Membran eine Wasserundurchlässigkeit, wie ich sie bei anderen Softshell-Klamotten in meinem Besitz noch nicht gesehen habe.
Die Atmungsaktivität unterliegt wie immer der subjektivsten Bewertung. Im alltäglichen Einsatz auf Fußwegen ist sie mir schon fast zu hoch. Denn bei knapp unter 10°C friert man in dieser Jacke trotz Windschutz (mit nur einem T-Shirt darunter). Auf dem Bike fühlt man sich allerdings bei diesen Temperaturen genau richtig temperiert. Ab 15°C und Sonnenschein wird die Vaude Flowride Jacket dann farbbedingt aber schon wieder richtig warm. Allerdings blieb das Jackenfutter nach einer Tour bei wärmerem Wetter trotzdem trocken (mit Ausnahme der Anlagepunkte des Rucksacks). Das soll mir als Beweis für die Atmungsaktivität reichen.

Clevere Details
Mit dem innenliegenden Gummizug am Jackensaum ist einen Hängenbleiben ausgeschlossen. Hier hat Vaude sein komplettes Know-How ausgespielt. Das beginnt mit “Garagen” für die Reißverschlüsse. Diese kleinen Textillaschen fixieren den RV in geschlossener Position, so dass er nicht herumklappert, auch wenn man mal kräftig durchgeschüttelt wird.
Von den Reißverschlüssen geht es zu den (einzigen) zwei Seitentaschen. In ihnen ist genug Platz für einen Schlüssel, ein Handy, Energieriegel oder eine kompakte Digicam. Aber sie bieten ein noch viel schöneres Feature: In Kombination mit dem luftdurchlässigen Innenfutter kann man über die Taschen eine zusätzliche Ventilation schaffen. Das funktioniert erstaunlich gut und hilft schnell, wenn man doch einmal ins Schwitzen kommt.
Auch die Gummizüge am Ärmel sind top verarbeitet und bieten wenig Angriffsfläche für Äste o.ä. Weiterhin verstecken sich in den Taschen die Gummizüge für den Jackensaum. So schauen keine Schlaufen aus der Jacke heraus, die sich schlimmstenfalls in Ästen verheddern können. Die Gummizüge der Ärmelbündchen sind zwar außerhalb des Ärmels angebracht, liegen aber an der Unterseite des Arms. Das ist mit Sicherheit eine weniger exponierte Lage für diese Schlaufen.
Die – von mir anfangs für unnötig gehaltene – Kapuze kann mit einem Klettverschluss in der Größe eingestellt werden. Gerade für die Verwendung als Kragen hinter dem Helm ist die kleinste Einstellung genau richtig.
Das Gewebe ist nicht nur wasser- und winddicht. Es macht auch einen sehr robusten Eindruck. Ein paar Äste und eine Hauswand habe ich damit schon versehentlich mitgenommen… ohne Verschleißspuren an der Jacke! :-D

Fazit
Es gibt zwei Dinge, die die Vaude Flowride Jacket nicht ist: Sie ist nicht billig und sie ist keine Race-Jacke. “Nicht billig” würde ich ihr aber eher als Hauptstärke anrechnen. Denn in allen beworbenen Funktionen stellt sie meine Anforderungen mehr als zufrieden. Ebenso sieht sie mit ihrem lässigen Design und der überragenden Verarbeitung nicht billig aus. Unter diesem Aspekt sind 140,- EUR ein angemessener Preis für eine Jacke, die locker mehr als 2 – 3 Saisons durchhält.
Wer eine leichte, kleine Jacke für den XC/CC-Wettkampf sucht, sollte die Finger von der Flowride Jacket lassen. Dafür wurde sie nicht entwickelt. Daraus macht Vaude kein Geheimnis. Für den täglichen All-Mountain- bis Enduro-Spaß im Dreck ist sie dagegen optimal. Und damit wird sie mein Alpencross-Kandidat für diesen Sommer! ;-)

Funktion (35%)
Verarbeitung (25%)
Bedienung (25%)
Preis (15%)

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{ 6 comments… read them below or add one }

1 Ralph Mai 7, 2010 um 07:31

Wenn die Jacke das hält was sie verspricht finde ich den Preis eigentlich garnicht sooooo hoch! Verglichen mit “fast normalen” Radjacken anderer Hersteller.

2 Jack Mai 7, 2010 um 08:15

Dankeschön!
Hast ja ausführlich getestet und ‘nen wunderbaren Artikel geschrieben!
Ich denke der Preis geht auch in Ordnung, alle Markenhersteller bewegen sich in der Größe um die 150 €.
Ach und optisch gefällt sie mir auch ganz gut. Ein guter Kauf!

3 Outdoor Minister Mai 7, 2010 um 09:37

Sehr guter Review. Wenn ich im Sommer die Hauptstadt mit dem Fahrrad unsicher machen werde könnte ich so ne Jacke gut gebrauchen. Merci!

4 bbbaschtl Mai 7, 2010 um 14:20

Sehr informativer Test einer schicke Jacke! Der Bericht kommt genau zur richtigen (Regen-)Zeit. Die Jacke hätte man hier vor 5 Tagen anziehen können und sie seitdem nicht mehr ausziehen müssen…

5 Gerd Mai 9, 2010 um 13:34

Schickes Teil und so wie Du sie beschreibst auch qualitativ was Edles.
Ich bin ja im Augenblick prima mit Gore ausgestattet und habe absolut nichts zu meckern, aber bei Vaude werde ich bei der nächsten “Runde” mal wieder zuschlagen! ;-)
Viel Spaß mit dem Teil!

6 Ferdi Juni 1, 2010 um 11:59

Schickes Teil,
nur ist die Jacke einigermaßen gut Packbar bzw. Alpencross tauglich?

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