Die Camsports Nano aus der Aktion Trail View von Helmkameras24.de und Frankentracks wurde von mir gestern auf die (weite) Reise zum nächsten Helmkamera-Anwärter geschickt. Nachdem sie vom Schlamm der letzten Tage befreit wurde, konnte ich es mir nicht nehmen lassen, noch ein paar Fotos für den Testbericht zu schießen. Denn Ihr wisst ja: Nichts bleibt bei mir ungetestet. ![]()
Von den vorherigen Besitzern der Camsports Nano wusste ich ja schon ein paar Schwachstellen. Trotzdem möchte ich meine Eindrücke von den Aufnahmen mit der Helmkamera noch einmal kurz zusammenfassen.
Technische Daten
Die Kernspezifikation der Camsports Nano ist wohl ihre Größe, wenn man in diesem Fall von Größe sprechen kann. Der Hersteller gibt sie mit einer Masse von nur 22 Gramm, einer Länge von 68 mm und 18 mm Durchmesser an. Diese Daten habe ich selbst nicht weiter überprüft. Wenn man diesen Winzling in der Hand hält, erscheinen die Herstellerangaben sehr plausibel.
Die geringe Größe fordert allerdings ihren Tribut bei anderen technischen Details. Die Auflösung der Filmaufnahmen beschränkt sich auf 736 x 480 Pixel. In Zeiten von HD-Videos kann man damit niemanden mehr so richtig beeindrucken.
Dank der geringen Auflösung reichen die 4 GB integrierter Flash-Speicher für ungefähr 2 Stunden Video aus. Der Speicher ist aber leider nicht erweiterbar. Im Endeffekt ist das auch egal, denn der integrierte Akku hält laut Hersteller nur 75 Minuten durch. Auch hier ist ein Austausch nicht möglich.
Aufgeladen wird die Kamera über einen Mini-USB-Anschluss, der gleichzeitig für den Datentransfer dient. Oberhalb des USB-Ports befindet sich noch ein kleines Mikrofon.
Die Nano ist bis maximal 1 bar wasserdicht (entspricht dem statischen Druck einer Wassersäule von 10 m). Der Einsatz im Regen sollte also unbedenklich sein.
Der Listenpreis der Helmkamera liegt bei 139,- EUR. Damit ist sie preislich im unteren Einsteigersegment angesiedelt.
Die Bedienung
Haptisch macht diese Helmkamera einen guten Eindruck. Linse und Schaltknöpfe wirken tatsächlich wasserdicht. Die Schwachstelle ist hier wohl eher die aufschraubbare Abdeckung für Mikro und USB-Anschluss. Dieser Deckel wird aber zumindest mit einem kleinen O-Ring abgedichtet.
Die Betriebsmodi der Kamera werden aufgrund der geringen Größe mit einer winzigen LED angezeigt. Um die einzelnen Lichtsignale richtig deuten zu können, ist ein Blick ins kurze aber ausreichende Manual sehr zu empfehlen. Bei hellem Sonnenlicht muss man sich schon stark konzentrieren, um das Leuchten der LED zu erkennen.
Die Bedienelemente erfordern für meinen Geschmack zuviel Fingerkraft. Leider geben sie kein ausreichendes Feedback, um die Kamera blind (z.B. am Helm) mit Fahrradhandschuhen bedienen zu können. Akustische Signale zur Unterstützung wären wünschenswert gewesen.
Ansonsten funktionierte die Inbetriebnahme der Kamera problemlos bei handbuchkonformer Bedienung. Von Racing Ralphs Blog weiß ich aber, dass das scheinbar keine Selbstverständlichkeit ist.
Mich ärgerte die Camsports Nano stattdessen mit mangelhafter Kompatibilität zu Windows XP SP3. Auf meinem stabileren Ausweich-PC mit Windows 2000 Professional wurde sie sofort und ohne Treiberinstallation als Wechseldatenträger erkannt. Der XP-Standard-PC ließ sich aber zu keiner Zeit überreden, die Nano als irgendetwas zu erkennen. Dieser Mangel kann durchaus am Computer gelegen haben. Hier möchte ich die Camsports Nano nicht verurteilen.
Bild und Ton
Integrierte Mikrofone von Helmkameras gelten gemeinhin als unglückliche Lösung. Da macht die Nano keine Ausnahme. Man hat konstruktiv versucht, die Windgeräusche mit dem auf der Rückseite angebrachten Mikrofon zu reduzieren. Im Endeffekt ist ein sauberer Ton jedoch nur mit einem eigenständigen Mikro an einer isolierten Position zu realisieren. Das übersteigt dann aber schon den Aufwand für Hobby-Filmchen.
Wie anfangs erwähnt, bietet die Helmkamera keine besonders hohe Video-Auflösung. Für kleine Videos auf der eigenen Internetseite oder YouTube mag das ausreichen. Für Sequenzen auf einer selbstgemachten Mountainbike DVD halte ich die Bildqualität allerdings zu minderwertig.
Farbsättigung und Kontrast sollten auch besser sein. Ebenso reagiert der Bildstabilisator (sofern vorhanden) sehr anfällig auf Schläge. Eine Montage am Fahrradhelm dämpft ein wenig die Unebenheiten des Untergrunds. Auf Wurzeltrails und verblockten Passagen schwindet dennoch die Klarheit des Bilds erheblich. Dass Bildstabilisation an Helmkameras besser funktionieren kann, beweisen u.a. die CountourHD und die GoPro Hero, die allerdings preislich schon eine Liga höher spielen.
All diese optischen Mängel lassen sich auf die wirklich winzige Optik der Camera zurückführen. Selbst die Linse meiner Handy-Cam ist größer! Und eigentlich würde der Gehäusedurchmesser genug Platz für ein größeres, lichtstärkeres System bieten.
Weitere Testergebnisse
Zum Lieferumfang der Camsports Nano gehören eine Vielzahl von Befestigungsriemen und -klettbändern. Einer Fixierung an Helm und Bike steht damit nichts im Weg. Für den Preis der Kamera ist das toll.
Die Klettbefestigungen sind leicht und flexibel, haben aber auch immer ein wenig Spiel. Eine richtig feste Kamerapositionierung ist damit nur bedingt möglich.
A propos Positionierung: Es ist anhand des Kameragehäuses nicht ersichtlich, wie herum das aufgenommene Bild liegt. Mein erster Aufnahmeversuch führte zu einem Hochformatfilm. Sowas will keiner sehen. Der zweite Versuch war zwar im Querformat, aber auf dem Kopf. Das lässt sich zwar mit einer soliden Videobearbeitungssoftware beheben, aber im Endeffekt muss das doch nicht sein. Ein kleiner eingestanzter Pfeil am Kameragehäuse würde doch ausreichen, um dem Anwender zu zeigen, in welcher Lage das Bild nach oben gerichtet ist. Ein zusätzliches Display wäre dafür nicht einmal notwendig.
Ein Vorteil der sehr kleinen Kameralinse ist der Schutz vor Verschmutzungen. Ich musste meine Dreharbeiten notgedrungener Maßen bei schlammigen Bedingungen durchführen. Die Optik ist trotzdem sauber geblieben.
Fazit
Die Camsports Nano kostet wie eine preiswerte Einsteigerkamera und im Endeffekt ist sie das auch. Die geringen Abmessungen der Kamera sind von vielen (teureren) Konkurrenten unerreicht. Aber genau diese Parameter beschränken die eingesetzte Technik. Wer in die Thematik Helmkamera hinein schnuppern möchte, kann natürlich gern die 140 EUR für dieses Experiment ausgeben. Legt man noch einmal 120 EUR drauf, erhält man bereits wesentlich hochwertigere Helmkameras, die schon Filme in HD-Qualität aufzeichnen können. Wer also ernsthaft die Anschaffung einer Helmkamera plant, sollte lieber etwas länger sparen und dann nur einmal dafür aber richtig kaufen.
Ein MTB-Video, das mit der Camsports Nano gefilmt wurde, findet Ihr hier (am Ende des Artikels).
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{ 5 comments… read them below or add one }
Ich habe die Nano im Winter auch schon ausprobiert und kann den Test in allen Punkten bestätigen. Bei mir kamen nur noch (kältebedingte?) Akkuprobleme dazu.
Bis auf die Startschwierigkeiten hat Sie ja gefunzt!! Am PC hatte ich mit dem Ding gar keine Probs
Die Bewertung von Dir kann ich nur bestätigen!!!!!!
Klasse Artikel. Wer ernsthaft den Kauf einer Helmkamera in Betracht zieht, sollte hierher finden. Ich kann jetzt eigentlich nur als Video-Betrachter was dazu sagen, aber vom Ergebnis ist die Contour HD auf jeden Fall vorzuziehen.
So schnell wie Ihr zur Zeit schreibt komme ich gar nicht mit dem Feedlesen hinterher….
Stimme Dir auch voll und ganz zu!
Zum reinschnuppern OK – will man längerfristig filmen muß man wohl tiefer in den Geldbeutel greifen.
Ich hab meine Nano jetzt gegen ein Contour HD getauscht. Die kleine Variante mit 720p was für meine Zwecke reichen sollte – hab sowieso kein Gerät mit dem ich FullHD abspielen kann. Mit der Kamera machts nochmal soviel Spaß…
Soll keine Werbung sein, aber helmkameras24.de hat mal Outdoorkamers mit der ARD getestet (Ein Video findet ihr auf deren Homepage) Da hat den Test die GoPro gewonnen.
Wobei ich bei der wieder meine Bedenken habe ob sie bequem am Helm zu tragen ist!
Die Bilder vermitteln den Eindruck, dass der Schwerpunkt relativ weit vom Fahrer weg ist: ein verwackeln wäre die Folge. Wäre für einen Test gegen die Contour interessant…
Guter Artikel. Meine eigenen ersten Erfahrungen mit der Kamera stimmen überein. Besonders ärgerlich ist die mangelhafte Bildstabilisierung. Fürs Mountainbiken ist es ja gerade das Aufzeichnen von wilden Tracks, wofür ich mir zumindest die Kamera eigentlich kaufte. Teerstraßen und gut befahrbare Wege machen keine Probleme. Aber wenns mal holpert, und das solls ja beim Freeride, dann sehen manche Videopassagen wie Trampolinspringen aus. Wichtig ist allerdings auch, dass man seinen Helm vernünftig am Kopf befestigt. Soll heißen, wenn der Helm am Kopf nicht wackelt, wackelt das Bild der Kamera natürlich auch weniger. Klingt banal, aber ich hab darauf die ersten Fahrten zu wenig geachtet.
Das Mikro der Nano kann man eigentlich völlig vergessen. Man hört im Vordergrund nur das ständige Windrauschen.
Fazit: Würde mir aus jetziger Warte wohl eher eine teurere Helmkamera kaufen (wenn man schon 140 Euro ausgibt, was definitiv auch schon ein kleines Sümmchen Geld ist, sollte man evtl. lieber “wenn schon, denn schon” sagen und ein/zwei-Hundert Euro mehr hinblättern. Das Aufzeichnen eigener Trails macht (so war es zumindest bei mir) recht süchtig, so dass man häufig vom “Ach ich probier das mal aus” ins “ich nehme die Kamera bei jeder Tour mit” gerät. Und mit steigenden Ansprüchen wird die Nano definitiv bald überfordert. Trotzdem denke ich, es war okay, mit der Nano zu beginnen. Man kann ja später mal noch irgendwann ein besseres Gerät dazukaufen (die sicher auch mit der Zeit günstiger werden dürften) und befestigt dann die klitzekleine Nano vlt. noch zusätzlich so am Bike. Dann kann man in die Videos kleinere Perspektivenwechsel einbinden.
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