Test: Lezyne Micro Floor Drive HP (Luftpumpe)

by MTBTier on 25.11.2009 · 2 comments

in Test,Zubehör

lezyne-microfloor_01_griff Vor ungefähr einem Monat hatte ich mir die Lezyne Micro Floor Drive HP zugelegt. Die Lezyne Micro Floor Drive ist eine etwas exotische Ausführung einer Luftpumpe. Sie ist eine Standluftpumpe für den Rucksack. In meinem persönlichen Biker-Umfeld hatte ich bis jetzt nur die besten Kritiken über Lezyne Luftpumpen gehört. Die Kapitulation meiner alten Miniluftpumpe für unterwegs kam da gerade recht. Kann ich die Eindrücke anderer Lezyne-Pumper bestätigen? Wie hat sich die Mini-Standpumpe in der Praxis geschlagen? Kann sie mit einer großen Standpumpe mithalten?

lezyne-microfloor_02_ansicht Nein. Kann sie natürlich nicht. Gegen das Hubvolumen einer richtigen Standpumpe ist jede Mini-Luftpumpe machtlos. Dafür wiegt die Lezyne Micro Floor Drive mit 175 g (Herstellerangabe) auch nur einen Bruchteil der großen Geschwister. Mit ca. 30 cm Länge ist sie in der Liga der Mini-Luftpumpen eher das Schlusslicht. Der Außendurchmesser von nur 22,5 mm ermöglicht dafür ein sehr schlankes Design. Im Rucksack fällt sie dadurch kaum auf und schon gar nicht ins Gewicht. Für die Trikot-Tasche ist sie aber definitiv zu groß.
Die Anschaffung erleichtert Euch auch mächtig das Portemonnaie. 39,90 EUR kostet die Micro Floor Drive ohne Manometer. Für eine Druckanzeige müsst Ihr nochmal 10,- EUR mehr auf den Tisch legen.

Verarbeitung
Mit Ausnahme der Dichtungen, des Fußbügels und des Luftschlauchs, sind alle Teile aus Aluminium hergestellt. Und das können die Leute von Lezyne! Alle Teile sind CNC gefräst bzw. gedreht. Diese aufwendige Herstellungsmethode rechtfertigt den Preis zum Teil. Allerdings frage ich mich, ob sich diese Fertigungsmethode für die einfachen Geometrien der Bauteile wirklich lohnt. Denn so geringe Stückzahlen scheint Lezyne davon nicht herzustellen. CNC-Bearbeitung aus Prestige-Gründen? Für eine Luftpumpe?! Das ist mir dann doch etwas zu übertrieben.
lezyne-microfloor_03_ventilkopf Trotzdem schmälert das nicht den durchweg sehr guten Qualitätseindruck. Einzig zwei Dinge stören mich an der konsequenten Aluminiumumsetzung: Am Standfuß der Pumpe tauchten bereits nach wenigen Anwendungen auf steinigem Untergrund Abrasionsspuren auf. Aluminiumgewinde sind auch nicht gerade für ihre Haltbarkeit berühmt. Leider sind die bei der Luftpumpe ausgerechnet am ständig benötigten Ventilkopf anzutreffen. Mal sehen, wie lang sie durchhalten. Der Ventilkopf ist übrigens drehbar und sowohl zu Presta- als auch Schrader-/Autoventilen kompatibel.
Der Durchmesser des Kolbens wirkt mit 14,5 mm (gemessen) wesentlich massiver als die schmaleren Kunststoffkolben der Mini-Pumpen-Konkurrenz.
Der Luftschlauch macht einen sehr robusten und dickwandigen Eindruck. So sollte er auch die dauerhafte Zugbeanspruchung überstehen, wenn er – für den Transport – über den Griff gespannt ist.
Der Klappbügel für den Schuh ist aus rostfreiem Stahl. Anfangs machte er einen recht instabilen Eindruck auf mich. Im Geländeeinsatz erfüllt er seine Funktion bis jetzt aber sehr souverän.

Bedienung
lezyne-microfloor_04_praxis Die ist eigentlich ganz einfach. Ventilkopf aus dem Fuß und den fast 60 cm langen Schlauch aufs Fahrradventil schrauben. Die Schrauberei kostet natürlich Zeit. Im Wettkampf kann das ganz schön Nerven kosten.
Der lange Schlauch ist trotzdem extrem praktisch, weil man so genug Spielraum hat, um die Pumpe in einer angenehmen Haltung zu bedienen. Sei es als Hand- oder Standpumpe. Der so simpel designte Aluminiumgriff liegt bei beiden Anwendungsmöglichkeiten überraschen ergonomisch in der Hand.
Als Standpumpe hat mich die Micro Floor Drive tatsächlich sehr beeindruckt. Bügel runterklappen. Schuh auf Bügel und Pumpenfuß stellen und mit der Lieblingshand lospumpen. Mit etwas Fußkraft steht die Pumpe solide auf dem Boden. Man hat sogar noch eine Hand frei, um nebenbei zu essen, sich am Kopf zu kratzen oder sein Fahrrad zu streicheln.

Pumpleistung
Theorie: Das maximale Pumpvolumen pro Hub habe ich mal für Euch grob überschlagen. Ich gehe mal von einer sehr dicken Außenwand des Pumpengehäuses (ca. 1 mm) aus, weil das Gehäuse einen sehr stabilen Eindruck macht. Bei einem Außendruchmesser von 22,5 mm blieben so noch 20,5 mm innen übrig. Die Kolbenstange lässt sich um ca. 200 mm heraus ziehen. Davon ziehe ich mal 10 mm für den eigentlichen Kolben (im Inneren der Pumpe) ab. Bleiben schätzungsweise 190 mm Kolbenhub. Jetzt noch ein bissl mit Pi multiplizieren und quadrieren und heraus kommen mehr als 60 cm³/Hub (berechnet: 62.712 mm³). Für die Alkoholfreunde unter Euch wären das 6 cl… also 1,5 Doppelte. ;-)
Leider habe ich keine Vergleichsgröße von anderen Minipumpen. Also geht’s weiter mit meinem subjektiven Eindruck.
Praxis: Die Pumpe geht ganz schön ab! 60 cm³ klingen wenig. In Kombination mit der überragenden Leichtgängigkeit des Aluminiumkolbens ist aber ratzfatz wieder Luft auf dem Schlauch/Reifen. Fantastisch!

Dabei bewältigt die Lezyne Micro Floor Drive HP auch Drücke, wie sie für Rennräder benötigt werden. Als maximal möglichen Druck gibt der Hersteller 11 bar (160 psi) an.

Fazit:
Die Lezyne Micro Floor Drive HP hat mich überzeugt. Sie pumpt richtig super und vor allem bequem. Der lange Luftschlauch, die Standpumpen-Bauart und der ergonomische Griff ermöglichen hochfrequentes, leichtgängiges Pumpen. Trotz des – Minipumpen-typischen – geringen Hubvolumens dauert deshalb das Aufpumpen nicht besonders lang. Der aufschraubbare Ventilkopf kostet wiederum etwas Zeit, dichtet aber auch immer zuverlässig ab.
Die Verarbeitung ist mit Ausnahme von zwei potenziellen Schwachstellen (Alugewinde und -fuß) sehr überzeugend. Unter diesen Gesichtspunkten schmerzt der hohe Anschaffungspreis nicht mehr ganz so sehr.

Funktion (35%)
Verarbeitung (25%)
Bedienung (25%)
Preis (15%)

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1 Hillclimber November 26, 2009 um 00:43

Hi,
scheint laut deiner Beschreibung ein echt geiles Teil zu sein. Mal was anderes, als dieser Einheitsbrei von XXX aus Sundern-Hagen. Wäre für Touren sicherlich ne Alternative.
Henning

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