Mit diesem Testbericht möchte ich mal wieder eine kleine Artikelserie beginnen. Es geht ein wenig um die Fotografie beim Biken. Ich behaupte jetzt einfach mal, dass Mountainbiker eitel sind. Zumindest glaube ich das in einer nicht repräsentativen Selbstanalyse herausgefunden zu haben. Ist ja auch nicht schlimm. Denn es ist allgemein bekannt, dass wir Mountainbiker in jeder Situation verdammt gut aussehen.
Die Artikel dieser Serie befassen sich also ein wenig mit Foto-Equipment und etwas umfassender mit allgemeinen und speziellen Tipps für schöne Bike-Fotos. Da ich selbst kein Fotoprofi bin, könnte dieses Thema zu sehr angeregten Diskussionen führen. ![]()
Ohne Kamera gibt’s natürlich keine Fotos. Deshalb nehme ich für den Anfang meine relativ neue Samsung WB500 Digitalkamera unter die kritische Lupe.
Harte Fakten
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Trotz der kompakten Abmessungen ist die Samsung WB500 mit ihren gewogenen 242 g kein Leichtgewicht. Das liegt hauptsächlich am sehr großen und lichtstarken (1:3,3-5,8) Schneider-Kreuznach-Objektiv. So soll der CCD-Chip Licht wie die Großen (DSLRs) abbekommen. Auch wenn knapp 250 g kein Referenzwert für Kompakt-Digitalkameras sind, ist das immer noch weniger als ein Drittel der Masse einer ausgewachsenen DSLR – zumal diese nicht in eine Trikottasche passt. ![]()
Der ursprüngliche Listenpreis der Samsung WB500 liegt bei 349,- EUR. Mittlerweile hat die Kamera schon eine Nachfolgerin, die Samsung WB550 mit 12 Megapixel. Die WB500 bekommt man deshalb schon für unter 200,- EUR.
Verarbeitung, Ergonomie, Haltbarkeit
Optisch und haptisch lässt Samsung bei der WB500 nichts anbrennen. Das Gehäuse ist aus einem hochwertigen, griffigen Kunststoff. Anfangs dachte ich sogar, dass die Kamera von einem Metallgehäuse geschützt wird. So gut fasst sich das Teil an. Weiterhin wurde die Kamera sehr wartungs-/reparaturfreundlich gestaltet. Alle Gehäuseschalen sind geschraubt und nicht mit irgendwelchen (Einweg-)Clip-Mechanismen montiert.
Auslöser, das Szenenwahlrad sowie Power- und Einstellknöpfe wirken hochwertig und geben ein sattes Feedback bei trotzdem leichter Bedienbarkeit.
Dank der sehr guten Verarbeitung glänzt die Digitalkamera mit überraschender Robustheit. Erst vor einer Woche landete das gute Stück mit dem Objektiv voran im tiefen Schnee. Bis jetzt sind keine Folgeschäden zu beobachten.
Ebenso beeindruckend ist die Bereitschaftszeit der WB500. Bereits 2 Sekunden nach dem Einschalten ist die Kamera im Begriff, das geschossene Foto zu speichern (bei Vollautomatik ohne Blitz). Verpasste Schnappschüsse lassen sich damit nur noch mit der eigenen Reaktionszeit entschuldigen. ![]()
Das war es dann aber auch erstmal mit zügiger Bedienbarkeit. Die Menüführung zur Szenenauswahl, Farbeinstellung, Auflösungs- und Fokuswahl ist nicht sonderlich intuitiv. Die variierende Tastenbelegung in Abhängigkeit des Szenenmodus erschwert das Erlernen der Bedienung. Auch nach 2 Monaten Benutzung suche ich immer wieder spezielle Konfigurationspunkte. Gerade im manuellen Modus stört der umständliche Wechsel zwischen der Einstellung von Belichtungszeit und Blende.
Wie bei vielen Kompaktkameras kann man an der Samsung WB500 nicht richtig zupacken. Der Auslöser lässt sich noch gut erreichen. Alle anderen Bedienelemente erforden jedoch einiges an Feinmotorik. Da ist es schon fast ein Widerspruch, dass sich die Kamera auch mit Mountainbike-Handschuhen gut bedienen lässt. Grund hierfür sind die präzise reagierenden Buttons. Fakt ist aber, dass auch die WB500 in Sachen Ergonomie nicht annähernd an den Komfort einer Spiegelreflexkamera heran kommt.
Dem großen Objektiv ist die ungünstige Lage des integrierten Blitzes geschuldet. Er liegt unterhalb des Auslösers. Wenn man mal nicht aufpasst, verdeckt man so das Blitzlicht mit Mittel- und Ringfinger. Aber wer fotografiert schon mit Blitz?
Funktionsumfang
Die Samsung WB500 bietet natürlich sämtliche Automatikfunktionen, die man von einer kompakten Digitalkamera erwartet: Landschafts-, Portrait-, Action-, Nachtmodus, Rote-Augen-Blitz, autom. Weißabgleich, Selbstauslöser, Farbprogramme und und und.
Deshalb gehe ich nur auf die Funktionen ein, die mich u.a. zum Kauf bewogen haben. Diese zielen alle auf die manuelle Fotografie ab.
Da wäre die Einstellung der Belichtungszeit zwischen 1/500 und 16 s. Im Vergleich zu klassischen DSLRs (1/2000s bis unendlich) kann sich diese Bandbreite wirklich sehen lassen!
Desweiteren lässt sich die Blendenweite einstellen. Das funktioniert jedoch nur in zwei Stufen. Bei vollem Weitwinkel wären das die Blenden 3,3 und 7,5. Mit 10-fach-Zoom erhöhen sich die Werte auf 5,8 bzw. 13,1. Diese grobe Abstufung bietet keine allzu großen Freiheiten bei der Belichtung. Sie reicht aber aus, um sowohl plastische Makroaufnahmen als auch scharfe Landschaftsfotos zu schießen.
Dank der integrierten Belichtungsmessung kann man mit beiden Parametern (Zeit & Blende) sehr gute Ergebnisse erreichen.
Was ich jedoch vermisse sind semi-manuelle Modi, wie z.B. eine Blenden- und Belichtungszeitautomatik, bei der nur ein Parameter manuell vorgegeben werden kann. Soweit ich weiß, findet man diese aber auch bei anderen Kompaktkameras nicht.
Weiter geht es mit der manuellen Wahl des ISO-Wertes. In Sachen Feinkörnigkeit kann man bis zu ISO 80 herunter regeln. Das lichtstarke Objektiv sorgt dafür, dass ISO 80 zu meiner bevorzugten Konfiguration geworden ist.
Sogar am Selbstauslöser habe ich eine Funktion gefunden, die ich als Einzelgänger unter den Mountainbikern ins Herz geschlossen habe: eine zweite Chance! Stellt man den Selbstauslöser so ein, fotografiert er nach 10 Sekunden ein Bild und legt nach ca. 3 bis 5 Sekunden eine weitere Belichtung nach.
Wenn man sich selbst beim Biken fotografieren will, ist diese Funktion wirklich Gold wert. Denn in 10 Sekunden von der Kamera zum Bike sprinten, aufsteigen, einklicken und an die Position fahren, wo man fotografiert werden möchte, ist ein Ding der Unmöglichkeit. Mit dem zweiten Foto sieht das gleich viel entspannter aus.
Auch wenn ich selten Videos mit der Kamera drehe, ist die Videofunktion in HD-Qualität (1280 x 720 px, 30 fps) und mit Stereo-Tonaufnahme eine sehr schöne Zugabe, die auch qualitativ zu überzeugen weiß.
Die Abstriche bei der Bedienung macht der Funktionsumfang der Samsung WB500 locker wieder wett. Denn gerade bei Still-Fotos (von Trails oder landschaftlichen Eindrücken) hat man in der Regel etwas mehr Zeit. Mit den manuellen Funktionen kann man so aus einem Motiv nochmal richtig was heraus holen.
Optik und Bildqualität
Das Objektiv war für mich der Hauptgrund für den Kauf. Gerade für Fotos von engen Singletrails benötigt man ordentlich Weitwinkel. Standardobjektive von Kompaktkameras bieten meist eine Weitwinkelbrennweite von 35 oder 28 mm an (übertragen auf Kleinbild). Ein halbwegs bezahlbares Weitwinkelobjektiv für DSLRs bietet selten eine kleinere Brennweite als 28 mm. Die Samsung WB500 glänzt in dieser Disziplin mit sagenhaften 24 mm!
Dagegen kann sogar die Panasonic Z7X als aktuelle Kompaktkamerareferenz mit ihren 25 mm einpacken. ![]()
Man kann an den Rändern der Fotos sogar schon leichte weitwinkelbedingte Verzerrungen erkennen. Das ist natürlich Geschmackssache. Ich mag das.
Der 10-fache optische Zoom ist natürlich ein schöner Bonus. Dank einer soliden Bildstabilisierung kann man trotz des geringen Kameragewichts scharfe Fotos damit machen.
10,2 Megapixel als maximale Bildauflösung sind natürlich nicht unbedingt ein Spitzenwert. Die Megapixel sind jedoch nur für die druckbare Bildgröße, nicht aber für die Bildqualität relevant. Viel wichtiger ist, dass diese Auflösung nicht durch Interpolation erreicht wird. Im Gegenteil: Der RGB-CCD-Sensor der Samsung WB500 hat sogar mehr Bildpunkte als die maximal mögliche Bildauflösung des gespeicherten Fotos.
Die Bild- und Farbqualität der Kamera ist einfach berauschend und kann locker mit der einer Canon EOS 400D mithalten. Wie oben bereits erwähnt, kann man auch mit sehr feinkörnigen ISO-Einstellungen noch kurze Belichtungszeiten nutzen (bei normalen Lichtverhältnissen). Dem Schneider-Kreuznach-Objektiv sei Dank. Oberhalb eines ISO-Werts von 400 wird das Bildrauschen allerdings ziemlich stark. Bis jetzt kam ich aber auch bei bewölktem Tageslicht nicht in die Verlegenheit, die Lichtempfindlichkeit so hoch zu drehen.
Der Blitz macht einen guten Job im Bereich von 2 bis 5 Metern. Im Nahbereich fehlt jedoch eine (automatische) Helligkeitsregulierung. Hier ist der Blitz einfach zu stark und führt zum Ausblenden von Bildinformationen.
Mich stört das nicht, weil ich immer versucht bin, den Blitz so selten wie möglich zu nutzen.
Akkulaufzeit und Datenspeicherung
Die erste Akkuladung hat von Mitte Januar bis Anfang März für gut 300 Fotos gehalten. Allerdings wurden nur ca. 20 % dieser Fotos mit Blitz geschossen.
Die fertigen Fotos werden ausschließlich als unkomprimierte JPEG gespeichert. Bei maximaler Auflösung kann so ein Foto schonmal über 5 MByte Speicherplatz in Anspruch nehmen. Eine große Speicherkarte empfiehlt sich also. Die Speicherung im RAW-Format ist leider nicht möglich. Das wäre für eine Kompaktkamera in dieser Preislage auch etwas zuviel verlangt.
Videos werden im MPEG4-Format gespeichert. Nicht jede Videobearbeitungssoftware kann mit diesem Codec etwas anfangen.
Mein Fazit
Wow! Für unter 200,- EUR bekommt man mit der Samsung WB500 eine kompakte Digitalkamera, die auch anspruchsvolle Freizeitfotografen zufriedenstellen kann. Das hohe Kameragewicht in der Trikottasche zieht einen auf der Mountainbiketour schon ein wenig in den Sattel. Allerdings steckt diese Masse im wichtigsten Bauteil dieser… nein… eigentlich jeder Kamera: im Objektiv! Und das kann sich wirklich sehen lassen. Einen Weitwinkel von 24 mm muss man bei DSLR-Objektiv oft sehr teuer bezahlen. In Verbindung mit dem manuellen Modus kann man damit richtig schöne Fotos zaubern.
Die gewöhnungsbedürftige Bedienung trübt das Gesamtbild ein wenig. Sie fällt hauptsächlich bei der manuellen Fotografie ins Gewicht, für die man in der Regel aber auch etwas mehr Zeit mitbringt. Mit Vollautomatik braucht man nur den Zoom und den Auslöser, die liegen auf der Kamera wesentlich ergonomischer.
Wer also mal wieder eine aktuelle Kompaktkamera benötigt, darf auch bei diesem Auslaufmodell getrost zugreifen.
Ihr werdet jedenfalls auf Trails & Bikes weiterhin Fotos präsentiert bekommen, die diesen Testbericht untermauern sollen.
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{ 8 comments… read them below or add one }
Jep! Schon ein klasse Testbericht, wenn auch mit ganz schön vielen Worten.
Hast Du alle selber gezählt?
Für spezielle Aufgaben, z.B. Bedienung mit Bikehandschuhen, findet man ja sonst keine Infos in den einschlägigen Fotozeitschriften. Zum Blitzen habe ich eine ähnliche Einstellung. Die Pics mit dem eingebauten Aufheller taugen normalerweise nur zum Erschrecken. Ich bevorzuge daher auch “Available Light”.
@Maddin: Nö, ich zähl seit Ende der Schulzeit keine Wörter mehr. Sowas erledigt heute Wordpress für mich.
Interessantes Modell! Werde mir den “ausfühlichen” Bericht aufheben, falls ich ‘ne neue Kamera brauche
Wie gesagt, alles gelesen – hart im nehmen
Ich bin jedesmal über deine Ausführlichkeit überrascht. Das hat ja schon Profiqualität.
Schon mal überlegt bei Stiftung Warentest anzufangen.
Schon Klasse wenn man so viel Infos von einem “Praktiker” bekommt!
@Ralph: Ich dachte, Du hattest Dir nach Maddins Tipps schon eine zugelegt. Dann solltest Du doch erstmal gut versorgt sein.
@Gerd: Ja, meine persönlichen Ansprüche an so einen Test führen leider zu ganz schönen Textmonstern. Es freut mich natürlich, wenn Euch diese Informationen in irgendeiner Weise weiterhelfen. Trotzdem muss ich mich vor jedem Testbericht mächtig motivieren, um erstmal anzufangen.
Ich glaube aber, dass ich meine Analysequalitäten auch außerhalb von Stiftung Warentest sehr gut für den Beruf einsetzen kann.
Danke für den Bericht! Sind auf der Suche nach einer Kamera für meine bessere Hälfte und was ich hier gelesen habe hört sich schon mal nicht schlecht an! Das der Preis jetzt unter 200 liegt, stört uns jetzt auch nicht.
Klein ist sie, und die 250g stören auch nicht – dafür hat sie ja ein schönes großes Objektiv.
Hey
netter Bericht nur mal ne Frage wie fällt denn dein Fazit nach nen paar Monaten aus?
Mittlerweile sollten sich ja die Stärken und Schwächen deutlich gezeigt haben.
LG
Hey Joe
Sorry für die späte Antwort. Vielleicht hast Du mitbekommen, dass ich letzte Woche mit dem MTB (und auch mit der Samsung WB500) in den Alpen unterwegs war. Ich bin nach wie vor sehr zufrieden mit der WB500. Die Fotos sind allererste Sahne. Und auch mit den paar Videos in HD-Qualität, die ich bislang gedreht habe, bin ich sehr zufrieden.
Zum Fotografieren nutze ich aktuell hauptsächlich den semi-automatischen Modus. Der manuelle Modus ist leider nur für Motive geeignet, für die man viel Zeit hat. Denn hier muss man immer etwas mit der Belichtungszeit rumprobieren, weil es keine Zeit-/Blendenautomatik gibt. Auch die nur zweistufige Blendeneinstellung ist etwas unschön, für den Preis aber eigentlich sehr OK.