Fahrtechnik bei Frost

by MTBTier on 11.01.2009 · 1 comment

in Fahrtechnik

Mehr Sicherheit auf dem Bike mit einem Fahrtechnik Kurs
Und da ist auch schon der erste versprochene Beitrag zur Mountainbike-Fahrtechnik im Winter ohne Spikes. In diesem möchte ich Euch ein paar Tipps geben, die bei Minusgraden hilfreich sind, wenn keine geschlossene Schneedecke vorhanden ist.

Allgemein: Bei Temperaturen unter Null werdet Ihr merken, dass Wald- und Schotterwege, die Euch im Sommer als sehr holprig vorkommen, im Winter wesentlich glatter erscheinen. Grund ist das Aufqellen des Bodens durch die Anomalie, des im Erdreich enthaltenen Wassers. Deshalb ragen Hindernisse (z.B. Wurzel, Steine etc.) nicht so weit heraus. Vorhandene Unebenheiten im Boden werden trotzdem härter an Bike und Fahrer weitergeleitet. Das kostet zusätzlich Kraft.
Eine etwas weichere Fahrwerkseinstellung oder 0,1 – 0,2 bar weniger Reifendruck können hier schon weiterhelfen.

Waldboden: Waldwege können sich sowohl sehr gut als auch sehr schlecht befahren lassen. Im Normalfall ergibt sich eine harte, regelmäßig strukturierte Oberfläche, die für einen fantastischen Grip sorgt. Unter diesen Gegebenheiten kann man bergauf und -ab sorgenfrei mit Vollgas fahren. Die Kontrolle des Bikes ist hier fast besser als auf trockenem Waldboden bei sommerlichen Temperaturen. Ihr könnt also unbeschwert lostreten.
Anders ist es, wenn tiefe Furchen und Unebenheiten (z.B. von Forstfahrzeugen) eingefroren sind. Hier wird man einfach nur gnadenlos durchgeschüttelt. Ihr benötigt dann sehr viel Kraft für den Vortrieb. Bei Abfahrten mit höherem Tempo (ab 30 km/h) könnt Ihr dadurch schnell den Bodenkontakt und somit die Kontrolle über das Bike verlieren. Meidet als lieber solche Furchen.

Schotter: Solang sich keine überfrorenen Pfützen gebiltet haben, verhält sich das Bike auf Schotter wie bei Temperaturen über 0 °C.

Glatteis: Glatteis kann Euch in vielen Formen begegnen. Prinzipiell gilt: Eis = Null Traktion. Sollte es sich um gefrorene Püftzen handeln, kann man hier schonmal drüber rollen. Wichtig dabei ist, dass Ihr auf dem Eis keine Richtungswechsel durchführt oder tretet. Oft reichen schon kleine Impulse in die falsche Richtung aus, um komplett die Kontrolle über das Fahrrad zu verlieren. Lasst also das Bike am besten ohne eure Krafteinwirkung drüber rollen. Verlegt dabei euren Körperschwerpunkt etwas tiefer zwischen Sattel und Steuerrohr. Drückt dabei aber nicht mit eurem Gewicht auf Lenker oder Kurbeln, da das auch schon zum seitlichen Wegrutschen führen kann. Bereitet euch mental schon auf die Sturzsituation vor, damit ihr im Notfall schnell genug reagiert. Eisflächen werden erst kritisch, wenn sie mindestens so lang wie die halbe Bikelänge sind. Sobald sich alle beiden Räder auf dem Eis befinden, könnt ihr nichts mehr tun. Lasst das Bike die Strecke suchen, unterstützt es mit Gewichtsverlagerung nur leicht in die von ihm gewählte Fahrtrichtung und bleibt vor allem locker. Sobald ein Rad wieder Grip hat, verlagert ihr ca. 60 % eures Gewichts auf dieses.
Besonders bei Wegen an Bergen tritt oft Wasser aus dem Hang aus und sorgt für großflächig überfrorene Flächen. Kommt dann noch ein leichtes Seitengfälle des Wegs dazu, solltet ihr diesen Bereich umfahren. Da muss man dann auch mal ein paar gefrorene Furchen in Kauf nehmen.
Glatteis lässt sich auf ebenen oder abschüssigen Passagen mit diesen Tipps einigermaßen gut überwinden. Bergauf ist spätestens dann Schluss, wenn das Hinterrad durchdreht.

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