Fahrwerkstest und Fahrfreude

by MTBTier on 14.05.2009 · 3 comments

in Mountainbike,Touren

Als ich heute Nachmittag nach Hause kam, gab es schon am Briefkasten die erste große Überraschung. Der Austauschbrustgurt für meine Suunto T3 lag in einem DHL-Express-Kuvert. Ich hatte ja schon vor längerer Zeit hier über Probleme damit berichtet. Irgendwann ging dann gar nichts mehr und nach langem Zögern hatte ich mich vor knapp 2 Wochen durchgerungen, das Gerät endlich nach Finnland zur Reparatur/zum Umtausch zu schicken. Gestern bekam ich eine Mail, dass das Austauschgerät (der neuen Generation) verschickt wurde… ja und heute war es schon da. :-D
Zusätzlich gab’s schönes Wetter (blauer Himmel, 17 °C), das schnell noch für eine kleine Mountainbike-Ausfahrt genutzt werden musste. Mangels Kreativität begab ich mich einfach auf die Plauen-Rundfahrt der Größe S:
Strecke | 25,6 km
Dauer | 77 min
Höhe | 349 Hm
ØHF | 163 bpm
max. HF | 187 bpm
Verbrauch | 1.097 kcal

Da die Pulswerte der letzten Wochen nur grobe Schätzwerte waren, bin ich doch etwas schockiert über den hohen Durchschnittspuls, der sich bei mir eigentlich sehr angenehm anfühlt.

Die Runde hat auf jeden Fall wahnsinnig Spaß gemacht, weil ich ja bereits am Wochenende ein wenig mit meinem Fahrwerk herum experimentiert habe. Die weichere Konfiguration der SID XC hat sich dieses Mal wieder bewährt. Zusätzlich habe ich den Reifendruck vorn und hinten von 2,4 auf 2,2 bar reduziert. Das Resultat war phänomenal! Das Bike hat wesentlich sensibler angesprochen, der erhöhte Negativfederweg sorgte für mehr Grip auf welligem Untergrund und überhaupt hat sich das Handling meines uralten Bikes so neu und trailsüchtig angefühlt, dass ich aus dem Endorphintrip gar nicht mehr heraus kam. Die Sprintanfälle bergab haben sich natürlich sofort an den Anstiegen und in der Durchschnittsgeschwindigkeit gerächt. ;-)

Und doch gibt es wieder auch eine kleine Unglücksnachricht von der Tour zu berichten. Es fing am Traileinstieg zur Syratalbrücke an. Drei Personen mit einem Hund der Größenordnung Kalb lungerten dort auf einer Parkbank. Ich sehe sie, bremse dosiert ab und gehe auf den maximal möglichen Abstand zu ihnen. In diesem Fall waren nicht mehr als 5 Meter drin.
Erste Erkenntnis: “OK. Der Hund ist nicht angeleint.”
Zweiter Eindruck: “Der kommt kläffend auf Dich zu… besser mal noch bissl das Tempo reduzieren.”
Drittens und Letztens: “Der kommt aber nah… oO … Sprintensprintensprinten!”

Nach ca. 80 m Sprint mit Tempo 40+ über einen teilweise nur 70 cm breiten Trail mit Felsbrocken und Wurzeln hatte der – Entschuldigung – Köter endlich aufgegeben und ich war auf dieser Strecke mindestens 10 km/h schneller als normal unterwegs. Die emotionale Mischung aus Wut über die Hundebesitzer und Adrenalinrausch aufgrund des Tempos war dann wohl auch sicher die Ursache für einen kleinen Fahrfehler auf einem schmalen stufigen Segment. Hatte wohl zu lang die Vorderbremse gezogen und merkte wie das Hinterrad hoch kommen wollte. Also schnell die Bremse losgelassen… und da kam schon die nächste Stufe, die das Vorderrad zusätzlich abtauchen ließ.
Also mal wieder über den Lenker auf den mittlerweile 30 cm schmalen Pfad. Mit einer Drehung (fragt nicht wie) in der Luft konnte ich mich auf meine bevorzugte Fallseite retten (links) und landete angenehm sanft auf meinem unter Spannung leicht abgewinkelten linken Arm. Als nächstes dann die obligatorische Pseudoseitwärtsrolle, um die Aufprallenergie in eine Ausweichbewegung abzuführen und dann den rechten Arm angewinkelt und angespannt über den Kopf halten, um das Fahrrad aufzufangen.
Aufstehen. Körperfunktionen checken. Ok, nur der Nacken tat leicht weh, weil der natürlich auch unter Spannung war. Das verging gleich wieder und besser so, als mit dem lockeren Kopf irgendwo ungebremst aufzuschlagen… denn da hilft dann manchmal auch kein Helm mehr. Ansonsten waren nichtmal offene Stellen zu finden
Fahrrad checken. Alles i.O.! Die rechte Lenkerkappe brauche ich nun erstmal nicht zu ersetzen. Dort steckt jetzt ein kompakter Erdstopfen drin. :lol:

Es ist schon interessant, wie “offensiv” sich mein Fahrstil auf den Trails in diesem Jahr entwickelt hat. Dabei bin ich in den voran gegangenen Jahren kaum so oft in kritische Situationen gekommen. Und trotzdem klappt die Koordination. Es passiert einfach nichts. Liegt es an meiner fast 2 Jahre zurück liegenden Kampfkunstausbildung? Sturzroutine? Oder einfach nur Glück?
Das erinnert mich an einen sehr guten Freund, den es auf fast jeder Tour hingepackt hat, ohne dass ihm jemals etwas wirklich Ernstes passiert ist. Wir nannten/nennen ihn im Biker-Freundeskreis Crashhard. Er fährt leider nur noch sehr selten richtig Mountainbike… vielleicht überlässt er mir ja seinen Namen. ;-)

Schlusswort: Da alle (Beinahe-)Stürze 2009 immer sehr klar vor meinen Augen abgelaufen sind und ich fast jede Abfangbewegung bewusst wahrnehmen bzw. steuern konnte, werde ich diese Erfahrungen für einen neuen Fahrtechnik-Artikel aufbereiten. Weniger erfahrene Biker (ich denke da an eine ganz bestimmte Person in meiner Blogosphäre ;-) ) können so ein paar theoretische Grundlagen zum richtigen Fallen mitbekommen.

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1 Ralph Mai 15, 2009 um 09:26

Bei der Hetzjagd ist die Ø HF doch normal :-)
Die “Testfahrt” hört sich aber nach einer richtigen geilen Runde an!!
Auf das Dir der spass erhalten bleibt, natürlich sturzfrei ;-)

2 Gerd Mai 17, 2009 um 17:06

Du musstest in diesem Fall sozusagen abwägen dich zu Tode zu stürzen, oder von einem Monster gefressen werden. Das sind ja tolle Alternativen. ;-)

3 MTBTier Mai 17, 2009 um 17:29

Sehr gut analysiert, Gerd! :lol: Und da soll noch einer behaupten, es gäbe keine Helden mehr!! …
Obwohl ein Held das graunhafte Monster wohl eher mit der Gabel aufgespießt oder mit dem großen Kettenblatt geköpft hätte, um danach die holde Prinzessin aus den Fängen des bösen Zauberers zu befreien.

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