Die mediale Panikmache vor dem Tiefdruckgebiet “Daisy” wurde in dieser Region vom Großteil der Bevölkerung nur müde belächelt. Als am Freitag im Radio für den Großraum Sachsen für das Wochenende bis zu 20 cm bzw. 50 cm (im Erzgebirge) Neuschnee angekündigt wurden, war die Verar…ung komplett. Solche Schneefälle verteilt auf 2 Tage sind hier im Winter nichts Ungewöhnliches.
Statt mich also im Supermarkt mit der überstürzten Anschaffung von Nagetieren (kurz: Hamsterkäufe) zu befassen, entschied ich mich für eine Mountainbike-Tour zu dritt: Nur Daisy, das kleine Schwarze und ich.
Bei -7 °C sollte man sich natürlich so anziehen, dass man beim Biken möglichst nicht auskühlt. Der Ankleidevorgang dauerte – mit insgesamt fast 15 Minuten – recht lang. Nachdem der Brustgurt für das Garmin Edge 705 angelegt wurde, kam das Vaude LS Seamless Base Shirt drüber. Dann folgte die eng anliegende Thermohose von Nalini. Über diese zog ich zur Sicherheit noch die 3Essen-Kontest-Short. Anschließend kam als letzte Oberbekleidungsschicht mein oranges Nalini-Wintertrikot drüber. Zur Sicherheit gegen Knieverletzungen durch die potenzielle Rutschgefahr legte ich mir noch etwas BMX-Equipment an: die Knieschoner von WeThePeople. Bis zu diesem Punkt waren schon 10 Minuten vergangen. Jetzt noch die Adidas adistar XC Race an die Füße und die Neopren-Überschuhe (auch mit 3 Streifen) drüber ziehen. Manchmal wünscht man sich dafür einen persönlichen Stiefelknecht. Nun musste nochmal der Kragen des Wintertrikots geöffnet werden, um den Hals vollständig mit der Gore Bikewear Balaclava zu bedecken. Als optionalen Mundschutz zog ich noch ein Bufftuch über die Balaclava, falls Daisy zuviel Wind beim Biken machen würde. Erst dann kam der Helm auf die Birne. Als Brille konfigurierte ich die Adidas Elevation Clima Cool heute mit Gummiriemen und Schaumstoff-Insert, damit die Kälte nicht an die Augen kommt. Nun fehlten nur noch die Thermo-Bike-Handschuhe von Vaude. Fertig und eine viertel Stunde war vergangen.
Auf der Samstagsrunde wollte ich mal ein bisschen austesten, was im ca. 20 cm tiefen Pulverschnee fahrtechnisch so geht. Natürlich geht alles etwas langsamer und kostet viel Kraft. Kontinuierliches geradeaus Fahren geht, wenn dann nur auf Straßen mit geschlossener, glatt gefahrener Schneedecke. Forstwege gestalteten sich am problematischsten, weil hier von Fußabdrücken bis zu Ski-Spuren alles vorhanden war. Das Geschüttel im fest getretenen Schnee ließ das Vorderrad regelmäßig quer stehen… war aber egal, weil es trotzdem weiter vorwärts gerutscht ist. Im Tiefschnee neigte stattdessen das Hinterrad zum Wegrutschen am seitlich abschüssigen Wegrand.
Erstaunlich gut ließ sich der Singletrail im Elstertal zwischen Teufelskanzel und Lochbauer befahren. Hier waren nur wenige Fußspuren. Die – im Sommer sehr störenden – Felsbrocken waren so stark eingeschneit, dass man gemütlich über sie drüber rollen konnte.
Im Großen und Ganzen konnte man allerdings nicht von Mountainbike Fahren sprechen. Vielmehr war es Mountainbike Tanzen… Mountainbike Tanzen mit Daisy eben.
Die Strecke gestaltete sich aufgrund des erhöhten Kraftaufwands relativ kurz:
Strecke | 22,5 km
Dauer | 97 min
Anstieg | 291 Hm
ØHF | 163 bpm
max. HF | 187 bpm
Verbrauch | 680 kcal
Die Bekleidung entpuppte sich übrigens auch diesmal als vollkommen ausreichend. Die Problemzonen Füße, Hände und Nase waren auch nach Ende der Tour angenehm temperiert. Die Knieschoner hielten die Knie minimal zu warm. Das war aber prinzipiell ok. Denn als kleines Bonus-Feature bedeckten sie am linken Knie das kleine Loch vom letzten Sturz.
Einen herben Verlust musste ich dennoch einstecken. Irgendwo auf den ersten 10 km habe ich meine schöne 0,75-l-Trinkflasche von Sigg verloren. Dementsprechend ist auf meinem Amazon-Wunschzettel (rechte Sidebar) ein neuer Wunsch aufgetaucht.
*zwinkerzwinker*
Verwandte Artikel:






{ 6 comments… read them below or add one }
Du bist aber ein echt harter Hund. Wenn ich bei den Schneeverhältnissen, bei uns liegen auch 20cm Pulverschnee, noch Bike, kann ich die Sache mit dem Laufe vergessen.
Außerdem müsste ich die ganze Sache noch Nachts absolvieren.
Entsprechend habe ich mich dazu entschlossen Morgen mit dem Zug zu fahren und nur die “Anreise” zum Bahnhof zu Joggen.
Sozusagen hat der Winter mich jetzt zum ersten Mal bezwungen. Letzten Winter habe ich es noch durchziehen können.
Gruß Gerd
PS: Wenn Dich jemand im Dunkeln mit deiner Maske sieht, fällt er bestimmt vor Schreck tot um.
@Gerd: Was den “harten Hund” angeht bist Du wohl der Härtere von uns beiden… denn für den Arbeitsweg bevorzuge ich einen vierrädrigen Diesel mit kuschliger Heizung.
Die Sturmhaube sollte wirklich mit viel Sensibilität aufgetragen werden. Gegenüber Spaziergängern und Ski-Langläufern verhalte ich mich so nochmal etwas rücksichtsvoller und freundlicher als normal schon. Denn dieses Kleidungsstück hat ja doch ein recht negatives Image. Habe dazu nun ein passendes “Vorbild” aus dem Film “Hellboy” gefunden… ähem
Bei uns sind es 40cm Schnee, zumindest da wo es nicht auf knapp 1m aufgehäuft wurde vom Wind!! Hier geht es nur noch auf geschobenen Radwegen und das ist ja nicht gerade eine freude
Dir aber viel spaß beim Snowbiken 
Ist trotzdem sehr ungewöhnlich bei uns diese Schneemenge!!
Achso, die Katastrophe haben wir auch nicht erlebt
Ich habe mich heute auch mit Daisy angelegt. Im Gegensatz zu dir fand ich, dass man auf plattgefahrenen Schneeflächen relativ gut fahren konnte. Der Tiefschnee erwies sich als harter Gegner, denn der Schnee war sehr pappig, so das man das gefühlt hatte, durch KLebstoff zu fahren.
@Daniel: Ja hier ist der Schnee sehr pulvrig. Gegenüber fest gefrorenen Fußspuren ist mir da der Tiefschnee lieber.
AArrghhh, immer diese Anarcho Biker mit ihren Randalemasken.
Aber wer nicht selbst einmal bei diesen Temperaturen draußen gefahren ist, kann es sowieso nicht nachvollziehen, wozu man das Ding trägt.
Also nur keine falsche Scheu an den Tag legen.