Pressereise Tirol: Pitschnass zum Achensee

by MTBTier on 13.07.2010 · 1 comment

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Der anstrengende Aufstieg des Vortags, der entsprechend kurze (aber ausgelassene) Abend mit den anderen Reiseteilnehmern und die frische Hochgebirgsluft rund um das Karwendelhaus führten zu einem tiefen erholsamen Schlaf. Nach einem leckeren rustikalen Hüttenfrühstück machten wir uns für die 2. und letzte Tour der Pressereise bereit.
Die knapp 41 km und ca. 1.050 Höhenmeter klangen im Vergleich zum Vortag regelrecht harmlos. Und die Mehrheit unserer Gruppe freute sich schon mächtig auf die angekündigten Singletrails, die wir auf der voran gegangenen Tour doch etwas vermissten. Das Wetter sah zum Tour-Beginn um 9 Uhr eigentlich auch besser aus als am Vortag.

Erwischt beim Foto für den Fahrbericht des Specialized Enduro (Foto: Michele Mondini) Trails, Platzregen und Abenteuerlust

Vom Karwendelhaus fehlten nur ca. 30 Höhenmeter bis zur ersten Singletrail-Abfahrt. Diese bot dann auch endlich all das, was man von den Alpen erwartet. Über Pfade mit teilweise 20 cm hohen Steinen flog das Specialized Enduro Comp nur so darüber. Leichte S-Kurven mit mindestens 3 verschiedenen Ideallinien und einige querliegende Baumstämmchen, die durch Regen zu rutschigen Hindernissen wurden, ließen das Mountainbiker-Herz frohlocken. Ich muss offen gestehen, dass der erste Trail ein paar Sektionen bot, die ich dann doch lieber mit einem Kontrollfuß auf dem Boden durchfuhr. Am Ende des Singletrails fing es leicht zu regnen an. Wir konnten gerade noch die Regenjacken anziehen bzw. die Rucksäcke mit Regenhauben abdecken, bevor es wie aus Eimern schüttete. Wenige 100 m weiter stellten wir uns erstmal unter einer Hütte unter und ließen den groben Niederschlag vorbei ziehen. Ein konstanter Nieselregen wich uns auf den folgenden Trails dann leider nicht mehr von der Seite. Aber was soll’s? Nur die Harten komm’ in’ Garten!
Wir folgten einem Schotter-Speedway bergab, den wir immer mal für ein Weilchen über verzwickte Singletrails verließen. Unser Guide Markus von Bikeguiding Zugspitzarena war von unserer Singletrail-Sucht teilweise etwas überwältigt. Er ließ sich aber stets von uns überzeugen, dass ein unbekannter Trail 1000mal besser ist als ein ausgebauter Wanderweg. Ohne eine Kettensäge war es teilweise ein etwas schweres Durchkommen durch die kleinen zähen Alpensträucher. Die warteten scheinbar nur darauf, unvorsichtige Mountainbiker vom Trail ins mehrere 100 Höhenmeter tiefer liegende Tal zu kicken. Trotzdem konnten wir den phänomenalen Ausblick sorglos genießen. Wahrscheinlich lag’s am Daueradrenalinrausch durch den steilen Abhang und die ungünstig über den Pfad verteilten Wurzeln und Felsbrocken.

Durchnässt in der Plumsjochhütte

Nach der spaßigen Abfahrt führte unser Weg durch Dauerregen wieder bergauf bis auf ca. 1.800 Hm zur Plumsjochhütte. Fast 800 Hm am Stück ging es bergauf, davon ca. 600 Hm auf aufgeschwämmten Schotter-Serpentinen. Der Untergrund wäre auch ohne die Nässe wesentlich grober gewesen als die Auffahrt zum Karwendelhaus. Man gönnt sich ja sonst nichts.
Auch an Tag zwei hatte ich noch Schmerzen an der Rückseite des rechten Knies. Und wieder war ich einer der letzten Teilnehmer der Gruppe, der die Plumsjochhütte erreichte. Im Nachhinein ist klar, dass mich eine beginnende Bronchitis wohl zusätzlich geschwächt hatte.
Als wir letzten zwei Biker und Esther – die freundlicher Weise immer ein bissl auf uns im Regen gewartet hat – die Plumsjochhütte betraten, hatten die anderen Gruppenmitglieder schonmal gut die Stimmung für uns angehoben. Unzählige Trikots, Socken und Bike-Hosen hingen um einen kleinen Holzofen zum Trocknen. Unsere zwei Briten verbreiteten zusammen mit ein paar Niederländern wie gewohnt gute Stimmung. Kaffee bzw. Tee mit Rum taten ihr Übriges. :-D
Das herzhafte Mittagessen ließ dann endgültig wieder etwas Wärme in den nassen, aber zufriedenen Biker-Körper strömen.
Nach der Rast hörte dann sogar der Regen auf und man konnte kurzzeitig ein paar Sonnenstrahlen erahnen.

Die Belohnung, eine Erfrischung und viel Wellness

Von der Plumsjochhütte führte die Tour nochmals knapp 30 Höhenmeter bergauf. Dann kam die Belohnung für die letzten zwei Tage, fast 100 km und ca. 2.400 Hm im Regen.
Der Downhill vom Plumsjoch verlief über einen steilen Serpentinentrail fast 700 Hm ins Tal bis kurz vor Pertisau am Achensee. Der tiefe Schotter verleitete zu übermütigen Drifts um die Kurven – immer den Blick in den Abgrund vor Augen. Die letzten 2 bis 3 km führten uns dann auf Asphalt nach Pertisau zum 4-Sterne-Hotel Wiesenhof. Von dort ließen wir uns nochmal an den Achensee rollen. Einige (einschließlich mir) sprangen dort nochmal schnell ins überraschend warme (ca. 20-22 °C) und sehr klare Wasser.
Der Rest der Pressereise verlief im absoluten Luxus. Nach ca. 90 min Pool-Planschen und Saunieren war ich bereit für das sehr leckere Menü. Danach fieberten wir bei einigen Gläsern Bier mit den 4 niederländischen Mountainbikern im Halbfinale der Fußball-WM mit.
Es war ein perfekt gelungener Abschluss einer außergewöhnlichen Pressereise: außergewöhnliche Biker-Kollegen aus ganz Europa, außergewöhnliche Touren und außergewöhnliche Belastungen durch ein Wetter, das nur die ganz Harten aufs MTB bringt… naja… und eben uns. ;-)

Mein Dank für die Fotos geht an: Ester Wilhelm, Michele Mondini, Martin Böhm

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