Resumée: Vogtland Bike Marathon 2009

by MTBTier on 30.08.2009 · 7 comments

in Mountainbike

Das war wirklich ein gelungenes Wochenende! Vielleicht war es sogar folgenschwerer als es auf den ersten Blick erscheint. Denn der 7. Vogtland Bike Marathon hat Appetit auf mehr Wettkampfatmosphäre gemacht. Bevor ich mich also in überschwänglichen Lobeshymnen verliere, werde ich Euch das Wochenende chronologisch geordnet zusammenfassen.

Am Freitag, 28.08.2009 startete das Mountainbike Event erstmalig mit dem Roll&Rock@Night VBM-Enduro Race. Unter diesem Aspekt waren überraschend viele Zuschauer im Ziel und an der Strecke erschienen. André Wagenknecht (Deutscher Downhill Meister 2008) und seine Mit-Trail-Bauer hatten in der Woche zuvor eine 800m lange Downhill-Strecke in den Ski-Hang am Hotel Hohe Reuth im IFA Ferienpark Vogtland gegraben, die Alles zu bieten hatte: Steile Abfahrten durch den Wald, enge Kurven und Anlieger, Sprünge, Stufen und loser trockener Waldboden. Im Tal – um die Zieleinfahrt herum – gab es Cocktails, Bier, mexikanisches Essen sowie Konserven- und Live-Musik mit vielen Gitarren. :-)
Insgesamt waren 36 Starter angetreten. Laut Moderator wurden bereits im Training Streckenzeiten von knapp 1 Minute gefahren. Auch der Erstplatzierte – André Wagenknecht himself – beendete diesen Wettkampf mit Einer Zeit von 1min 01s. Als Siegerbelohnung gab es einen schicken Downhill-Rahmen, den er prompt an einen (sehr) jungen Nachwuchsfahrer verschenkte. So ist er eben, der André. :-)
Leider habe ich die Namen der anderen Gewinner nicht mitbekommen, weil ich zu sehr mit Fotografieren beschäftigt war. Sobald diese auf der VBM-Homepage zu finden sind, werde ich diese natürlich hier verlinken.
Die Besucherzahl würde ich vorsichtig auf 500 bis 700 Besucher schätzen, auf dem riesigen Areal ließ sich das allerdings schwer erkennen. Für eine Premiere einer solchen Veranstaltung war es auf jeden Fall ein gelungener Einstand. Weiter so!
Ihr könnt Euch hier natürlich noch ein paar Eindrücke von diesem Event machen, die ich mit der Kamera festgehalten habe :

VBM Enduro Race 01

Picture 1 of 30

Am Samstag, 29.08.2009 musste ich mich dann auch auf dem Mountainbike abstrampeln. Obwohl ich erst 11 Uhr auf dem Gelände des IFA Ferienparks eingetroffen bin, war keine stressige Hetzerei notwendig, um alle notwendigen Startutensilien bei der Rennleitung abzuholen. Der guten Organisation sei Dank. Bis zum Start verbrachte ich die Zeit dann mit ein paar Bekannten mit Nahrungsaufnahme, Rumlabern und Aufwärmen.

Punkt 13 Uhr fiel der Startschuss und die insgesamt 317 FahrerInnen setzten sich in Bewegung. Obwohl ich die Strecke sehr gemütlich angegangen bin, lag mein Puls bereits kurz nach dem Start bei über 150 bpm. Das lag sicherlich an der Aufregung, nach so langer Zeit wieder mitten im Wettkampfgeschehen involviert zu sein. Trotz des hohen Anfangspulses fühlte ich mich körperlich pudelwohl. Und so ging es in recht zügigem Tempo über die breiten Waldautobahnen, die im Winter für die Ski-Langläufer präpariert sind. Die Abfahrten und kurzen Trails auf der ersten Hälfte der Strecke gingen flott und ohne große Behinderungen von der Hand und plötzlich war ich im Auslauf der neuen Ski-Schanze in Klingenthal.
Nun folgte der erste richtig ernste Anstieg: Auch hier fühlte ich mich gut. Mit nur wenigen Ausnahmen blieb die Kette vorn auf dem mittleren Kettenblatt. Die geringe Trittfrequenz (um die 70/min) mit relativ hohem Drehmoment gab mir das Gefühl, den Puls etwas besser kontrollieren zu können. Es waren sogar 7 bis 12 Teilnehmer, die ich an diesem Anstieg überholen konnte. Dann folgte eine ebene Passage über Wurzel-Trails und der Weg in Richtung Schneckensteinhalde. Diesen Anstieg zum höchsten Punkt der Runde, der gleichzeitig auch der Steilste war, bin ich einfach hochgetreten (Viele haben geschoben), weil ich weiß, dass mir der Wechsel vom Biken aufs Laufen den Puls nach oben treibt.
Danach ging es flott bergab in Richtung Muldenberg… zumindest sollte es das. Denn ca. 300 Meter nach dem höchsten Gipfel donnerte ich bei einem Überholmanöver bergab mit dem Hinterrad in einen großen Stein. Die Folge war ein gut hörbarer Knall und ein sofortiger Platten: Snake Bite. :-(

Da war natürlich die Kac… Freude groß. Absteigen. Reifenheber aus dem Rucksack holen. Hinterrad ausbauen. Alten Schlauch aus- und neuen Schlauch einbauen. Aufpumpen. In der Theorie war alles klar. Im Normalfall benötige ich für diese Handgriffe auch nicht viel länger als 5 Minuten. Aber in dieser speziellen Situation bekam ich einfach keine Ruhe in die Hände. Der Wechsel dauerte eine gefühlte Ewigkeit und wahrscheinlich war ich tatsächlich über 10 Minuten mit dieser Reparatur beschäftigt. Ohne Barometer an der Mini-Luftpumpe habe ich auch etwas zu wenig Luft auf den neuen Schlauch gepumpt. Aber egal, denn die 20 oder 25 Fahrer, die ich von Klingenthal bis hierhin hinter mir lassen konnte, waren mindestens in dreifacher Anzahl schon wieder an mir vorbei gezogen.

Also schwang ich mich wieder in den Sattel und gab mächtig Gummi. In Anbetracht des geringen Luftdrucks hinten musste ich die Abfahrten und kommenden Wurzeltrails mit einer sehr front-lastigen Gewichtsverteilung fahren, aber das war mir egal. Ich war einfach zu sehr in Rage wegen diesem fahrtechnisch selbst verschuldeten Defekt. Der Puls war mir dabei auch ziemlich egal. Die 190 war oft genug im Display des Edge 705 zu lesen. Irgendwie fühlte ich mich trotzdem noch gut.

Die Verpflegungsstation in Muldenberg ignorierte ich einfach. Getränk und Futter hatte ich dabei und es war sowieso keine Zeit für Pausen. Ab diesem Zeitpunkt wechselte der Ärger auch langsam in meinen altbekannten, euphorischen Speed-Rausch und die Hetzerei fing an Spaß zu machen. Ohne es so richtig zu bemerken, war ich bald schon wieder am Hotel in Schöneck, wo es über den letzten Singletrail auf die letzten 7 Kilometer ging. Nur noch diesen einen Trail vorsichtig fahren, danach war der gewechselte Schlauch in Sicherheit… alle weiteren Wege waren nur noch fein geschottert. Und da war er dann: Der letzte Anstieg! Nochmal nicht enden wollende Höhenmeter bis zum Ziel hochtreten. Die Oberschenkel meldeten sich pünktlich dafür mit den ersten Übersäuerungserscheinungen. Trotzdem war ich euphorisiert und hatte sogar noch Kraft für Grimassen beim Sportografen. ;-) Dann endlich die Zieldurchfahrt. Eine junge Frau sprang auf mich zu, bückte sich und riss mir den Transponder von der linken Wade. Sie hatte sich nichtmal vorgestellt. :lol: Ich drehte mich um und blickte auf die Zeitanzeige: 2h 09min 17s 00″.
Strecke | 42,5 km
Dauer | 2h 09min 17s
Anstieg | 809 Hm
ØHF | 177 bpm
max. HF | 199 bpm
Verbrauch | 1.723 kcal

Mit dieser Zeit war natürlich kein Blumentopf zu gewinnen, denn der Schnellste schaffte die 40-km-Runde in ca. 91 Minuten. Der Schnellste auf der 80-km-Strecke kam nach 3h 05min ins Ziel! Wahnsinn, was hier für Geschwindigkeiten getreten werden. In der Gesamtwertung der Männer ergab das für mich einen Platz 140 von 222. In meiner Altersklasse (19-29) landete ich so auf Platz 54/71.

Trotzdem bin zufrieden mit meiner Leistung. Zum Einen hatte ich eine Zeit unter 2h 30min angepeilt und zum Anderen habe ich in der Zeit noch einen Schlauch wechseln müssen. Ohne diese Panne wären vielleicht knapp 2 Stunden drin gewesen. Daran arbeite ich dann nächstes Jahr. Alle Ergebnisse findet Ihr hier.

Den Veranstaltern muss ich ein ganz großes Lob aussprechen. Die Strecke war gut sichtbar gekennzeichnet und durch Streckenposten angekündigt. Die Helfer/Supporter machten alle einen freundlichen Eindruck und an der gesamten Strecke standen zahlreiche Zuschauergrüppchen, die uns Fahrer fleißig angefeuert haben. Eine tolle Atmosphäre, die durch keine organisatorische Schwachstelle getrübt wurde. Nächstes Jahr bin ich sicher wieder dabei. :-)

Resumée: Vogtland Bike Marathon 2009, 5.0 out of 5 based on 1 rating

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1 Gerd August 31, 2009 at 06:53

Erst mal herzlichen Glückwunsch zum erfolgreichen Wiedereinstieg in die Rennszene!
Das hört sich nach viel Spaß an. Und so ein Reifenwechsel im Rennen muss wohl bei der Premiere sein. Stell Dir mal vor es wäre alles gleich zu 100% gut gegangen.

Deine Herzfrequenz ist schon der Hammer. ;-)

2 Ralph August 31, 2009 at 07:44

Glückwunsch!!!! da haste ja für den Wiedereinstieg schon gleich ‘ne geile Zeit gefahren, klasse!
Und angefixt bist Du auch wieder, also weiter so :-)

3 Maddin August 31, 2009 at 08:47

Da können wir in Zukunft hier sicherlich noch ein paar mehr Rennberichte erwarten. Tolle Leistung trotz des kaputten Schlauchs.
Aus den Berichten klingt es fast so, das die kleinen und feinen Events mit Startern < 1000 mittlerweile die Schöneren sind. Viel Spaß beim Aussuchen der nächsten Termine. :-)

4 MTBTier August 31, 2009 at 17:27

@Gerd: Ja, irgendwie habe ich so’ne Panne geahnt, deshalb hatte ich auch das notwendige Werkzeug mit dabei.

@Ralph: Mit der Zeit bin ich auch sehr zufrieden. Blut geleckt habe ich zwar, aber dieses Jahr wird es erstmal bei diesem einen “Schnupper-Wettkampf” bleiben.

@Maddin: Weitere Rennberichte werden kommen. Aber voraussichtlich erst 2010. Da ich sowieso kein Freund von Massenveranstaltungen (in jeglicher Hinsicht) bin, war die Teilnehmerzahl bei diesem Marathon genau richtig für meinen Geschmack. :-)

5 Micha September 7, 2009 at 14:13

Na da scheint ja jemandem unsere Veranstaltung ganz gut gefallen zu haben!
Uebrigens mal ein dickes Lob fuer deine Seite!!!!

Vielleicht klappts ja auch irgendwann mal mit der gemeinsamen Tour!

Viele Gruesse
Micha

6 MTBTier September 7, 2009 at 20:02

@Micha: Vielen Dank für die Komplimente! :-)
Und JA, mir hat das MTB-WE in Schöneck wirklich richtig gut gefallen. Für die gemeinsame Tour muss ich mich mal wieder ein bisschen aktiver im IBC-Forum bewegen.

Dein Kommentar hat mich übrigens daran erinnert, dass ich Eure Seite noch in meine Linkliste aufnehmen wollte. Klick.. und schon isses passiert. ;-)

7 Micha September 8, 2009 at 10:11

Na dann bewege ers ich mal…
Bis bald!

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