Euch wurde eine Artikelserie zum Thema Fotografieren beim Mountainbiken versprochen. Der Testbericht zu meiner (kompakten) Kamera für Touren hat das Ganze eingeleitet. Weiter geht es mit ein paar Kniffen für die Aufnahme im Gelände. Denn was schmerzt uns eitle Mountainbiker mehr, als wenn man eine vertrackte Passage bewältigt hat, die Situation auf einem Foto festgehalten wurde, aber der fahrtechnische Anspruch mit dem verbundenen Können auf dem Bild nicht ersichtlich ist. Damit kann man vor befreundeten MTB-Laien einfach keine Lorbeeren ernten. ![]()
Wie zeigt man diesen Ahnungslosen, dass man sich als Mountainbiker immer auf dem schmalen Grat zwischen Leben und Tod bewegt? Wie vermittelt man auf dem Standfoto, dass an dieser Stelle im Wald wirklich nur Platz für eine MTB-Breite ist? Wie macht man aus einem 5 cm hohen Stein eine 30 cm hohe Stufe? Wie werden 5% Gefälle plötzlich zu 15%? Dafür bin ich mit der Digicam heute mal ins Syratal spaziert und habe dort einen ausgewählten Trail intensiv unter das Objektiv genommen. Laut Singletrail-Skala würde ich diese Passage als schweren S1- bis leichten S2-Trail einstufen. Also genau die Schwierigkeitsstufe, die auf Fotos als eher harmlos rüberkommt. Seht selbst.
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Zauberwort Weitwinkel |
Aus welcher Perspektive fotografieren?
Soll man nun in Fahrtrichtung bergab, oder entgegen der Fahrtrichtung bergauf fotografieren? Oder doch lieber von der Seite? Knipsen aus der Hocke, im Stehen oder sogar die Kamera über den Kopf halten?
Mit einem Schuss aus der Hocke entgegen der Fahrtrichtung macht man allgemein nichts falsch. Im Gegensatz zu Shots in Fahrtrichtung bekommt man hier gerade von schräg vorn einen guten Eindruck des Gefälles und des fahrtechnischen Anspruchs. Man sollte sich natürlich auf den Biker verlassen können. Denn um eine wirklich gute Wirkung zu erhalten, muss man schon ziemlich nah an die befahrene Linie ran. Selbst ein guter Zoom kann die Nähe zum fotografierten Objekt nicht wett machen, da Partikel und Feuchtigkeit in der Luft sonst die Bildschärfe beeinträchtigen.
Es gibt allerdings Ausnahmen, wo man auch aus anderen Perspektiven richtig beeindruckende Bilder erhält. Extrem steile Abfahrten wirken auch sehr bombastisch, wenn man stehend bergab knipst, so dass man am vermeintlichen Horizont eine Ebene oder ein Tal, aber keinen Himmel sieht.
Ebenso reizvoll sind Überkopfaufnahmen oder aus einer erhöhten Position in Richtung Abhang/Tal, bei seitlich durchs Bild führendem Trail.
Gerade kurvige Trails wirken besonders gut, wenn man sich am äußeren Kurvenrand gegenüber des Scheitelpunkts mit der Kamera positioniert. So bekommt man vom Trail vor und nach der Kurve sehr viel mit.
Hoch- oder Querformat
Wie bei allen weiteren Punkten gilt hier keine generelle Regel. Eine grobe Orientierung kann ich Euch aber geben:
Relativ gerade und steil verlaufende Trails wirken im Hochformat interessanter. Ein fehlender Horizont (durch Wald) muss nicht in seinem vollen Ausmaß abgebildet werden. Auch hier kann man mit dem Hochformat, den Trail besser ins Rampenlicht rücken.
Im Umkehrschluss bietet sich das Querformat besonders bei einem sehr schönen Panorama an (z.B. im Hochgebirge). Oder eben, wenn man einen sehr kurvigen Trail bzw. eine Spitzkehre im vollen Ausmaß festhalten möchte.
Wieviel Himmel und Horizont?
Das hängt mal wieder vom Trail und Euren Anforderungen an das Foto ab. Wenn man einen eindrucksvoll verblockten Trail zur Verfügung hat, braucht man sich um dessen Wirkung kaum Sorgen machen. In diesem Fall könnt Ihr Euch auch auf die Umsetzung eines schönen Panoramas konzentrieren.
In der Regel hat man aber nicht immer ultra-spektakuläre Trails vor der Linse – zumindest als Hobby-Fotograf im Mittelgebirge.
Möchte man nun einen etwas seichteren Trail steiler wirken lassen, sollte man den Himmel nach Möglichkeit komplett abschneiden. Wenn kein Horizont am oberen Rand des Fotos zu sehen ist, wirkt der Trail automatisch länger und auch wesentlich steiler herab kommend.
Das war’s für diesen Teil auch schon wieder. Ich möchte nochmal betonen, dass diese Tipps hauptsächlich auf persönlichen Erfahrungen basieren. Dementsprechend haben sie keinen Anspruch auf Vollständigkeit oder Richtigkeit. Wenn Ihr noch gute Ratschläge habt, freue ich mich natürlich über eine angeregte Diskussion in den Kommentaren.
Demnächst werde ich mich dann mit den Fotos befassen, wo auch mal ein Biker drauf zu sehen ist. Dafür muss ich mal noch ein Model auftreiben.
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{ 7 comments… read them below or add one }
Schöner Beitrag. Über was Du dir alles so Gedanken machst.
Ich hatte heute meine Kamera dabei, viele tolle Motive, aber absolut keinen Bock zu fotografieren.
Einfach nur gelaufen!
@Gerd: Das kenne ich nur zu gut. Man hat die Kamera dabei, sieht ein schönes Motiv, aber es fehlt die Lust, wegen diesem Bild jetzt extra anzuhalten.
Gute Anleitung. Vielen Dank.
Schöne Zusammenfassung einiger Aspekte eines guten Trailfotos. Ein nicht unwesentlicher Aspekt ist die Zeit dabei. Denn der Platz, an dem man gerade angehalten hat, bietet nicht immer die optimale Perspektive. Also rumlaufen, abdrücken, gucken, den Bikepartner wieder hochschicken und von vorne. Mit der Zeit kommt sicher der Blick und die Routine, aber so oft es geht abdrücken und üben schadet sicher nicht.
Leider merke ich bei mir selbst, das ich trotz mitgeführter Kamera viel zu selten anhalte um Fotos zu machen.
Das ist mal ein toller Beitrag. Danke sehr. Da werde ich versuchen, ein paar Tips mit zu nehmen auf die Trails.
Gruss: Chregu
Die Tipps sind auch in der Schweiz angekommen. Von nun an werdet ihr in meinen Beiträgen nur noch extrem steile und Pneubreite Trail-Pics vorfinden
Im Ernst: Danke für die Tipps!
@chregu & rotscher: Als ob Ihr Schweizer es nötig hättet, die Trails noch interessanter aussehen zu lassen.