MTB-Garn I: “Was machst Du denn da?”

by MTBTier on 07.01.2009 · 0 comments

in MTB-Garn

Seemannsgarn kennt ja wohl jeder. Kleine Geschichten über große Abenteuer auf hoher See, bei denen man nie so richtig weiß, ob sie nur im Kopf des Erzählenden stattgefunden haben.
Wenn solche Geschichten an Land spielen und dann noch mindestens ein geländegängiges Fahrrad darin verwickelt ist…mmh…ja dann handelt es sich um Mountainbike-Garn:

Vor langer Zeit – im Jahre 2002 – trug es sich zu, dass zwei Freunde mit mir und 3 Fahrrädern eine Woche am Gardasee verbrachten. Eines Tages auf einer abenteuerlichen Abfahrt gelangten wir auf eine Trailpassage aus groben feuchten Pflastersteinen. Ein Freund fuhr mit großem Vorsprung vor mir, der andere war etwas hinter mir zurückgeblieben. Links des Pfads war dicht bewachsener Wald, rechts davon eine saftige mit Stacheldraht eingezäunte Weide.
Alles schien wunderbar zu funktionieren, bis mein Vorderrad auf dem rutschigen Untergrund plötzlich drohte auszubrechen. Vorsichtig versuchte ich, das Tempo zu reduzieren und das nur schwer zu steuernde Gefährt gen Wald zu bewegen. Doch es rutschte unbehelligt auf den Weidezaun zu. Dort hielt es inne, gebremst durch meinen rechten Oberschenkel im Stacheldraht. Mit beiden Füßen hing ich noch fest in den Click-Pedalen meines Rosses. Der linke Fuß konnte aufgrund des überstreckten Beines nicht die Bewegung zum ausklicken vollführen. Beim Versuch das rechte Bein zu drehen, fraß sich der Stacheldraht nur tiefer in den Oberschenkel. In meiner Verzweiflung flehte ich nach einem Messer und einer brennenden Fackel, um mich aus dieser Misere befreien zu können…
Da kam der Dritte im Bunde unserer Heldengruppe an der besagten Unglückstelle vorbei gefahren und hielt. Er stieg ab, erblickte dies kuriose Geflecht aus Fahrrad, Mensch und Stacheldraht und fragte: “Was machst Du denn da?”
Ich flehte ihn herzerweichend an, mich von der Last des verwundeten Beines zu erlösen. Doch er packte nur meinen linken Fuß, drehte ihn aus dem Pedal heraus und befreite mich von meinem Bergfahrrad. Wie durch ein Wunder gelang es mir nun, mich selbst aus den Fängen des heimtückischen Weidezauns zu befreien.

mtb-garniGeblieben war nur ein kleines Loch in meiner Hose und ein langer Kratzer entlang des Beines. Das Glück wollte es, dass der besagte Weidezaun bis dato keinen Rost angesetzt hatte. Die Gefahr, durch den Hinterhalt einer Blutvergiftung dahingerafft zu werden, blieb damit aus.
Einige Meter tiefer auf der Abfahrt wartete bereits der wackere Mitstreiter, der uns voraus eilte, so dass wir wieder als geschlossene Gruppe unseren ruhmreichen Zug hinab ins Tal fortführen konnten.

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