Während meiner MdRzA-Touren ging mir immer wieder die Frage durch den Kopf, welche denn nun – rein vom Kraftstoffverbrauch – die günstigere Art der Fortbewegung sei: Auto oder Mountainbike?
Nun wird manch einer unüberlegt heraus platzen: “Ja natürlich das Fahrrad!” Aber ist das wirklich so?
Für eine wissenschaftlich fundierte Untersuchung dieser Problematik muss man natürlich zuerst ein paar Rahmenbedingungen definieren:
1. Es werden ausschließlich die Kraftstoffkosten (Benzin, Getränke o.ä.) betrachtet.
2. Kosten für Materialverschleiß, Anschaffung, Versicherung oder Wartung werden vernachlässigt.
3. Die verwendeten gegebenen Größen stammen aus persönlichen Erfahrungen und sind nur bedingt auf andere Fahrer übertragbar.
Die Versuchsbedingungen
Zur Verfügung steht ein männlicher Mountainbiker im Alter zwischen 20 und 30 Jahren, der mit dem Fahrrad eine gemittelte Durchschnittsgeschwindigkeit von v = 20 km/h fährt. Zusätzlich besitzt dieser einen Mittelklasse-Pkw mit Common-Rail Dieselantrieb. Das Fahrzeug verbraucht im Schnitt zwischen 5,7 und 6,0 l/100km Dieselkraftstoff.
Weiterhin sei bekannt, dass der Fahrer für eine Stunde Fahrt mit dem MTB ca. 1 Liter Flüssigkeit benötigt.
Das sollte vorerst für die Kalkulationsszenarien reichen.
Szenario 1 – Fahrt mit dem Pkw
Aktuell liegt der Dieselpreis in unserer Region bei ca. 1,129 €/l. Beim Verbrauch gehe ich vom Worst Case aus und setze diesen mit 6,0 l/100km fest.
Damit ergeben sich die Kosten K wie folgt:
Die Kosten der Mountainbike-Fahrt müssen in zwei Szenarien unterteilt werden. Einmal die preiswerte Variante mit Apfelschorle als Kraftstoff und einmal die Teure mit einem Kraftstoffgemisch aus Leitungswasser und isotonischem Trinkpulver.
Szenario 2 – MTB-Fahrt mit isotonischem Getränk
Als Beispiel eines isotonischen Anrührpulvers wird frubiase SPORT Ausdauer heran gezogen. Dieses ist im Online-Handel für mindestens 13,74 € pro Packung erhältlich. In einer Packung sind 440 g des isotonischen Pulvers enthalten. Für eine Portion empfiehlt der Hersteller 40 g des Pulvers auf 0,4 l Wasser. Damit soll man für ca. 2 Stunden mit ausreichend Nährstoffen versorgt werden. In 2 Stunden schaffe ich eine Strecke von 40 km. Der Verbrauch V pro 100 km beträgt demnach:
Nun kann man die Kosten des isotonischen Getränks für 100 km Fahrt mit einer Verhältnisrechnung ermitteln:
Aber zu dem benötigten Liter an isotonischem Getränk, muss der restliche Flüssigkeitsverlust gedeckt werden. Bei 5 Stunden Fahrt, werden demnach noch zusätzlich 4 Liter Leitungswasser benötigt. Leitungswasser schlägt zur Zeit mit ungefähr 1,35 €/m³ zu buche. 4 Liter Wasser kosten somit:
Die Gesamtkosten für 100 km Fahrstrecke entsprechen der Summe aus Wasser- und Isotonic-Kosten:
Szenario 3 – MTB-Fahrt mit Apfelschorle
Bei dieser Variante muss zunächst der Begriff Apfelschorle spezifiziert werden:
In meinem Fall entspricht das einem 1:1-Gemisch aus Apfelsaft mit 100% Furchtsaftgehalt für 0,70 €/l und preiswertem Mineralwasser zu 0,19 € pro 1,5-Liter-Flasche. Das entspricht einem Literpreis von 0,127 €/l. Ein Liter Apfelschorle schlägt also wie folgt zu Buche:
Für 100 km Fahrt wären so 5 Liter Schorle notwendig und die Kosten beliefen sich so auf 2,0675 €/100km.
Man darf jedoch eines nicht vergessen: Die nachlassenden Kräfte.
Geht man davon aus, dass die Durchschnittsgeschwindigkeit mit zunehmender Strecke sinkt, steigt dementsprechend die Fahrzeit an. Mit zunehmender Fahrzeit nehmen so auch die benötigte Energiezufuhr und Kraftstoffkosten pro 100 Kilometer zu.
Man könnte diesen Effekt durch Verzehr eines Energieriegels (z.B. PowerBar) alle 2 Stunden kompensieren. Ein Riegel kostet bis zu 1,99 €. Zwei werden für eine 5-Stunden-Fahrt benötigt (also 3,98 €/100km).
Zusammenfassung
| Autofahrt | MTB iso. | MTB Apfels. | |
| €/100km | 6,774 | 3,1284 | 2,0675 |
| Essen | - | 3,98 | 3,98 |
| Gesamt €/100km | 6,774 | 7,1084 | 6,0475 |
Abschließend könnte man sagen, dass die Kosten der Fahrt zur Arbeit nur geringfügig niedriger bei Apfelschorle-Ernährung bzw. ein wenig höher im Falle der Versorgung mit isotonischen Getränken liegen. Während die Kosten des verbrauchten Kraftstoffs bei Kraftfahrzeugen linear mit der gefahrenen Strecke zunimmt, ist sie bei Fahrten mit dem Fahrrad exponentiell ansteigend, da der Körper mit zunehmender Strecke einen stetig wachsenden Nährstoffbedarf entwickelt. Qualitativ sieht das etwa so aus:
Bis zu einer gewissen kritischen Strecke lohnt sich also die Fahrt mit dem Fahrrad. Danach wird die Nutzung des Pkws effizienter.
Nun bitte ich inständig um meinen Nobelpreis in Mountainbike-o-logie. Los! Her damit! ![]()
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{ 4 comments… read them below or add one }
Endlich mal ein professioneller Ansatz!


Aber!!!!
Also erst mal fehlen wir bei deiner Aufstellung die “alten Biker”
Die sind so ausgezehrt, dass sie bei ihren Fahrten zur Arbeit auf jegliche Art der Verpflegung, bis zu einer einfachen Fahrtzeit von 1h, verzichten.
Zweitens, solltest Du noch die CO2 Emmission der Autos und des Fahrers beim Autofahren und die des Fahrers auf dem Bike mit berücksichtigen.
Wenn Du dann noch nicht genug hast, besteht noch die Möglichkeit den Einsatz von Primärenergie für die Herstellung von Bike und Auto (im Einzelfall der Funktionswäsche) hinzuzurechnen.
Wie Du siehst, ist es noch ein langer Weg bis zu deinem Nobelpreis!
Aber DU bist auf dem richtigen Weg.
PS. Irgendwie klappt die Bewertung nicht!
Es klappt doch!
Oh Mann, hast du viel Zeit! Aber lustig war es und Spass machen solche Rechenspiele sowieso. By the Way, wirklich tolle Website hast Du da. Habe schon länger keinen so guten, frischen Mountainbike Blog mehr im Netz gesehen.
@Gerd: Ahhhh! Da hab ich wieder den Statistiker in Dir geweckt!. Wie Spoony schon schrieb, ich hab scheinbar viel Zeit… soviel dann aber doch nicht.
Aber vielleicht kommt ja mal noch eine Fortsetzung. 
@Spoony: Danke für die Komplimente, ich werde weiterhin versuchen, den Stil von Trails & Bikes zu pflegen. :