Du fährst’nen Carbon-Lenker?!!!

by MTBTier on 27.01.2009 · 2 comments

in Komponenten,Test

Hell Bent Carbon Riser Bar
Hell Bent Carbon Riser Bar

Hatte heute mal das Zaskar zur Federgabelwartung (Ölwechsel etc.) in den Radladen gebracht. Wie immer hingen ein paar Jugendliche mit ihren Dirt-Bikes vorm Geschäft rum und gaben ihr Bike-Zeitungswissen zum Besten. Sollen sie machen. Hab ich früher auch getan. Und wie immer – wenn ein hochwertig ausgestattetes Bike vorm Laden in die wachsame Obhut dieser Schüler gegeben wird – bildet sich eine Traube aus Halbstarken zur umfangreichen Komponenten-Analyse. Der beste Diebstahlschutz überhaupt. :)

Und dann kam sie wieder… die Frage, die ich immer wieder gestellt bekomme: Du fährst’nen Carbon-Lenker?!!!

Meine Antwort ist immer die gleiche: “Ja. Na und?”

Viele äußern sich dazu sehr skeptisch. Ich fahre mittlerweile den Zweiten und hatte noch nie ernsthafte Probleme damit. Zuerst war es ein gerader XC-Lenker von LP Composites. Durch den Rückruf meines Vorbaus hatte ich 2007 dann die Möglichkeit kostengünstig auf einen Titec Hell Bent Carbon Riser umzusteigen. So konnte ich gleich noch das Handling meines – damals auf Uphill ausgerichteten – Mountainbikes wesentlich singletrail-tauglicher machen.
Natürlich kann man durch einen Carbonlenker kaum Gewicht sparen. Meist sind es nur 10 bis 20 Gramm. Wenn man in Sachen Leichtbau aber nur noch über Feintuning eine Massenreduktion erreicht, ist so ein Umbau ein adäquates Mittel.
Carbon ist selbstverständlich im Bruchverhalten kritischer als metallische Werkstoffe. Zum Einen kann man Risse nur schlecht erkennen, da nur Fasern im inneren der Verbundmatrix betroffen sein können. Zum anderen bricht Carbon spröde. Das kann im Fall eines Lenkerbruchs fatale Folgen haben. Soweit gebe ich Skeptikern recht.
Aber: Es gehört mindestens seit Anfang des neuen Jahrtausends zum Stand der Technik, Lenker aus Carbon an den Kraftübertragungsstellen (Klemmung im Vorbau, Griffe) innen mit Aluminiumhülsen zu verstärken. Dort und nur dort treten bei korrekter Anwendung Risse durch Materialermüdung auf. (Als Maschinenbauer habe ich sowas im Studium gelernt ;) ) Danach verformt sich erst das Aluminium duktil, bevor wirklich der Lenker “abbricht”.
Weiterhin werden die Faserschichten an den Beanspruchungszonen dicker ausgeführt. Weniger beanspruchte Bereiche haben eine dünnere Wandstärke. Vergleicht man also Aluminium- und Carbonlenker mit gleicher Masse. So ist der Aluminiumlenker meistens nur ein Rohr, das in alle Richtungen gleich (in)stabil ist. Im Lenker aus Carbon wird hingegen die Materialverteilung entsprechend der Fahrbelastungen angeordnet. … Man sollte sich hierbei natürlich nur auf Hersteller verlassen, die für ihr Know-How in der Carbonverarbeitung bekannt sind. Von Billigprodukten, die nur mit dem Werkstoff Carbon beworben werden, sollte man die Finger lassen!

Wie bin ich die rund 20 Monate und ca. 5.000-6.000 km nun mit dem Titec-Lenker klar gekommen?
Kurz: Ohne Probleme. Auf den ersten Ausfahrten hatte ich noch das Gefühl, dass der Lenker bei Belastungen (Kurven, Sprünge) flext – sich also verbiegen lässt. Inwiefern das der Fall war, konnte nie objektiv ermittelt werden. Sicher spielte auch mein subjektiver Eindruck eine Rolle, weil ich zuvor nie einen so breiten und zusätzlich gekröpften Lenker in Betrieb hatte.
Vorsichtshalber habe ich mich aber damals mit einem Mitarbeiter aus dem Institut für Kunstofftechnik unserer Uni ausgetauscht. Der meinte, dass bei fabrikneuen Verbundwerkstoffen das Harz zwischen den Fasern oft noch nicht ganz beruhigt ist und noch etwas arbeitet.
Sein Tipp: Den Lenker einfach mal für ca. 3 Stunden ins Eisfach legen, bis er komplett durchgefroren ist. Danach bei Raumtemperatur wieder auftauen lassen. Die Montage darf erst erfolgen, wenn er wieder komplett auf Zimmertemperatur ist.
Seitdem habe ich nie wieder ein Nachgeben des Lenkers festgestellt. Er war auf Touren im Erzgebirge unterwegs, wo Stufen bis zu 1 m gedroppt wurden. In den Harburger Bergen (bei Hamburg) war er bei knallharten Ausritten über Wurzelpassagen voll im Einsatz. Und auch die Single-Trail-Orgien an der Isar zwischen April und Oktober 2008 hat er ohne Macken überstanden.

Darum fahre ich einen Carbon-Lenker!

Links: LP Composites, Titec

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{ 2 comments… read them below or add one }

1 Ralph Januar 28, 2009 um 08:37

Zur Zeit fahre ich noch Alu, sollte ich aber mal
“Kohle” über haben, werde ich mir nicht nur ein Carbon-Lenker
sondern ein kpl. Carbon-Bike zulegen!!!
Ich habe so ein Ultra-Light-Teil (Merida FLX Carbon für bald 5000.- )
gefahren und war mehr als begeistert :-)

2 MTBTier Januar 28, 2009 um 20:44

Schickes Gerät… Kann mich noch dran erinnern als sich mein Bruder 1994 sein erstes MTB gekauft hat. War das damalige Top-Modell von Merida mit kompletter Deore-XT-Gruppe und natürlich Starrgabel. Die Firma galt damals als preiswerter Einstieg in den MTB-Sport. … Schon beeindruckend, wie die sich entwickelt haben.
Mein nächstes Bike wird definitiv ein Fully. Soll eine Ergänzung zum kompromisslosen Hardtail werden. Also eher was im Bereich All Mountain/Enduro. Habe da Liteville, Rocky Mountain oder Yeti ins Auge gefasst. Wobei mich das Konzept von Liteville schon sehr überzeugt.

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