Alpencross Etappe 5: Livigno – Grosotto

by MTBTier on 08.08.2010 · 8 comments

in Touren

Transalp Klassiker von Garmisch zum Gardasee

Einige von Euch haben bereits die Etappenberichte zu Tag 5 und 6 vermisst. Dafür gab es auf Etappe 5 einen driftigen Grund. Nach der eigentlichen Königsetappe nach Livigno vom Vortag sollte die 5. Tour mehr ein Downhill-Highlight werden. Knapp 65 km und ca. 1.500 Hm über den Passo di Val Trela, den Bocche di Trela und den Passo di Verva waren zu bewältigen. Am Ende erwartete uns eine Abfahrt über 1.600 Hm nach Grosotto.
In der Praxis verlief diese Tour jedoch ganz anders. Und hier glänzte unser Guide mal wieder mit exzellenter Erfahrung und Souveränität, um uns alle gesund ans Ziel zu bringen.

Einige von Euch haben bereits die Etappenberichte zu Tag 5 und 6 vermisst. Dafür gab es auf Etappe 5 einen driftigen Grund. Nach der eigentlichen Königsetappe nach Livigno vom Vortag sollte die 5. Tour mehr ein Downhill-Highlight werden. Knapp 65 km und ca. 1.500 Hm über den Passo di Val Trela, den Bocche di Trela und den Passo di Verva waren zu bewältigen. Am Ende erwartete uns eine Abfahrt über 1.600 Hm nach Grosotto.
In der Praxis verlief diese Tour jedoch ganz anders. Und hier glänzte unser Guide mal wieder mit exzellenter Erfahrung und Souveränität, um uns alle gesund ans Ziel zu bringen.


Schon am Vorabend zogen dunkle Wolken über Livigno auf. Der Morgen der 5. Etappe begrüßte uns dann wieder mit kräftigem Regen. Das Thermometer fiel auf 7 °C. Eingepackt in möglichst viele Bekleidungsschichten und Regenjacke plus -Short ging es auf den ersten Anstieg zum Passo di Val Trela auf ca. 2.300 m ü. NN. Von den flowigen Trails hinauf und dem tollen hochalpinen Panorama sahen wir nicht viel. Zum Einen war alles grau in grau, zum anderen kämpften viele mit sich selbst. Auch ich hatte stark mit mir zu tun und konnte kaum auf die wunderbare Natur Rücksicht nehmen. Schiebend auf dem ersten Pass angekommen führte uns der Weg über ein ca. 20 m langes Schneefeld. Die Temperatur lag inzwischen nur noch bei 1 °C und zum Regen kam Schnee dazu. Mein mich begleitender MTB-Freund hatte hier leichte Übelkeitserscheinungen, denen ich mit einem Riegel abhelfen konnte.
Es folgten knapp 250 Hm zur geplanten Pausenhütte über einen wunderschönen Trail. Die nassen Schuhe leiteten den Fahrtwind direkt an die Fußzehen. Die Finger fühlten sich an den Alubremshebeln schon abgefroren an. Jede Pfützendurchfahrt kostete viel Überwindung. Selbst die Regenshort konnte die Auskühlung an den Beinen nicht verhindern, da sich Socken und Knielinge schon mit eiskaltem Wasser vollgesogen hatten. Schade um diese flowige Passage, die eigentlich Entspannung bringen sollte.

In der Hütte folgte meine absolute Grenzerfahrung. Vor mir standen ein Pott heißer Tee und ein Stück – sicherlich – leckerer Kuchen, als ich am ganzen Körper anfing zu zittern. Auf Fragen meines Kumpels und eines anderen Tourbegleiters konnte ich nur mit großer Anstrengung einsilbig antworten. In mir kam ein Gefühl auf, das irgendwo zwischen heulen oder brechen wollen anzusiedeln war. Der Helm und die Handschuhe wurden mir zu eng und auf die anderen Gruppenteilnehmer schien ich einen apathischen Eindruck gemacht zu haben. Kurz: Ich war absolut unterkühlt.
Man peppelte mich mit einem Päckchen Traubenzucker wieder soweit hoch, dass ich mit den anderen das Bike noch zum Bocche di Trela schieben konnte. Nach einem kurzen Trailstück durch Wasser und Geröll eröffnete uns der Guide seine Entscheidung: Abbruch der Tour.
Dank eines reichlich mit Regenkleidung bepackten Teilnehmers konnte man mich noch einmal vollständig neu und trocken einkleiden, bevor es 7 km über nasse Straßen ins erstbeste Bistro der Stadt Bormia ging. Auf diesem Weg danke ich Dir, Tweety, nochmals für die gute Ausstattung auf den rettenden Kilometern. Dort im Bistro warteten mit mir noch 5 weitere Mitglieder ca. 3 h auf den georderten Shuttle-Service. Unser Guide und 3 fittere Gruppenmitglieder fuhren noch 35 km über Straßen nach Grosotto.
Als wir mit dem Bus endlich am Ziel ankamen gab’s für mich nur noch warm duschen, kurz schlafen, schnell zu Abend essen und sofort wieder ins Bett gehen, um auf der 6. und letzten Etappe wieder fit zu sein. Deshalb lest Ihr erst heute davon.

Woran lag meine Unterkühlung? 3 bis 4 Gründe würden mir einfallen. Mit Sicherheit war die daheim gebliebene Winterbekleidung ein großer Fehler. Sie hätte mich aber wohl auch nur noch eine knappe Stunde weiter warm halten können. Fehlende Fettreserven im Körper können mir ebenso zum Problem geworden sein. Durchs Rasieren der Beine und Arme fehlte mir zudem eine natürliche Wärmedämmung. Und natürlich habe ich die Situation nach der so locker bestandenen Königsetappe auch etwas auf die leichte Schulter genommen.
Wenn man anderen Teilnehmern glauben darf, hätten sie ohne Etappenabbruch wohl auch nicht mehr lang auf Unterkühlungssymptome warten brauchen. Es war einfach nicht das richtige Wetter für hochalpine Bike-Touren. Denn auch die parallel laufende Garmisch-Comer-See-Gruppe im Easy-Mode hat zum Teil den Shuttle-Bus in Anspruch nehmen müssen.

Tourdaten von Etappe 5 auf Sportics.net


Schon am Vorabend zogen dunkle Wolken über Livigno auf. Der Morgen der 5. Etappe begrüßte uns dann wieder mit kräftigem Regen. Das Thermometer fiel auf 7 °C. Eingepackt in möglichst viele Bekleidungsschichten und Regenjacke plus -Short ging es auf den ersten Anstieg zum Passo di Val Trela auf ca. 2.300 m ü. NN. Von den flowigen Trails hinauf und dem tollen hochalpinen Panorama sahen wir nicht viel. Zum Einen war alles grau in grau, zum anderen kämpften viele mit sich selbst. Auch ich hatte stark mit mir zu tun und konnte kaum auf die wunderbare Natur Rücksicht nehmen. Schiebend auf dem ersten Pass angekommen führte uns der Weg über ein ca. 20 m langes Schneefeld. Die Temperatur lag inzwischen nur noch bei 1 °C und zum Regen kam Schnee dazu. Mein mich begleitender MTB-Freund hatte hier leichte Übelkeitserscheinungen, denen ich mit einem Riegel abhelfen konnte.
Es folgten knapp 250 Hm zur geplanten Pausenhütte über einen wunderschönen Trail. Die nassen Schuhe leiteten den Fahrtwind direkt an die Fußzehen. Die Finger fühlten sich an den Alubremshebeln schon abgefroren an. Jede Pfützendurchfahrt kostete viel Überwindung. Selbst die Regenshort konnte die Auskühlung an den Beinen nicht verhindern, da sich Socken und Knielinge schon mit eiskaltem Wasser vollgesogen hatten. Schade um diese flowige Passage, die eigentlich Entspannung bringen sollte.

In der Hütte folgte meine absolute Grenzerfahrung. Vor mir standen ein Pott heißer Tee und ein Stück – sicherlich – leckerer Kuchen, als ich am ganzen Körper anfing zu zittern. Auf Fragen meines Kumpels und eines anderen Tourbegleiters konnte ich nur mit großer Anstrengung einsilbig antworten. In mir kam ein Gefühl auf, das irgendwo zwischen heulen oder brechen wollen anzusiedeln war. Der Helm und die Handschuhe wurden mir zu eng und auf die anderen Gruppenteilnehmer schien ich einen apathischen Eindruck gemacht zu haben. Kurz: Ich war absolut unterkühlt.
Man peppelte mich mit einem Päckchen Traubenzucker wieder soweit hoch, dass ich mit den anderen das Bike noch zum Bocche di Trela schieben konnte. Nach einem kurzen Trailstück durch Wasser und Geröll eröffnete uns der Guide seine Entscheidung: Abbruch der Tour.
Dank eines reichlich mit Regenkleidung bepackten Teilnehmers konnte man mich noch einmal vollständig neu und trocken einkleiden, bevor es 7 km über nasse Straßen ins erstbeste Bistro der Stadt Bormia ging. Auf diesem Weg danke ich Dir, Tweety, nochmals für die gute Ausstattung auf den rettenden Kilometern. Dort im Bistro warteten mit mir noch 5 weitere Mitglieder ca. 3 h auf den georderten Shuttle-Service. Unser Guide und 3 fittere Gruppenmitglieder fuhren noch 35 km über Straßen nach Grosotto.
Als wir mit dem Bus endlich am Ziel ankamen gab’s für mich nur noch warm duschen, kurz schlafen, schnell zu Abend essen und sofort wieder ins Bett gehen, um auf der 6. und letzten Etappe wieder fit zu sein. Deshalb lest Ihr erst heute davon.

Woran lag meine Unterkühlung? 3 bis 4 Gründe würden mir einfallen. Mit Sicherheit war die daheim gebliebene Winterbekleidung ein großer Fehler. Sie hätte mich aber wohl auch nur noch eine knappe Stunde weiter warm halten können. Fehlende Fettreserven im Körper können mir ebenso zum Problem geworden sein. Durchs Rasieren der Beine und Arme fehlte mir zudem eine natürliche Wärmedämmung. Und natürlich habe ich die Situation nach der so locker bestandenen Königsetappe auch etwas auf die leichte Schulter genommen.
Wenn man anderen Teilnehmern glauben darf, hätten sie ohne Etappenabbruch wohl auch nicht mehr lang auf Unterkühlungssymptome warten brauchen. Es war einfach nicht das richtige Wetter für hochalpine Bike-Touren. Denn auch die parallel laufende Garmisch-Comer-See-Gruppe im Easy-Mode hat zum Teil den Shuttle-Bus in Anspruch nehmen müssen.

Tourdaten von Etappe 5 auf Sportics.net

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{ 7 comments… read them below or add one }

1 Spoony August 8, 2010 um 23:45

Was erzählst du uns da für Abenteuergeschichten! Aber irgendwie gehört dies bei den Alpen auch dazu, obwohl ich so was nicht selber erleben möchte. Es erinnert mich daran für die nächste Woche im Engadin die Winterkleider einzupacken. Zudem habe ich schon einiges an Fett und auch noch Haare an den Beinen. ;-) Spass beiseite, zum Glück hat der Guide richtig reagiert.

2 bbbaschtl August 9, 2010 um 07:24

Übel, übel, da bereitet man sich lange auf das Saisonhighlight vor und freut sich auf tolle Landschaften und Trails und dann so ein Pech mit dem Wetter. Nässe und Kälte sind einfach eine verheerende Kombination. Dagegen hilft auf Dauer auch die beste Kleidung nichts. Aber sei froh, dass der Tag noch einigermaßen glimpflich ausgegangen ist und Du nicht noch irgendwo (ab-)gestürzt bist.

3 Martin August 9, 2010 um 12:01

haihaiaia… wünsche gute REGENERATION!

4 MTBTier August 9, 2010 um 12:14

@Spoony: Winterkleidung würde ich dir empfehlen, auf der Rückfahrt an St. Moritz und Pontresina vorbei sahen die Gipfel ganz schön eingezuckert aus.

@bbbaschtl: Manchmal muss uns die Natur eben zeigen, dass wir mickrige Würstchen sind.

@Martin: Regeneration findet gerade statt. :-D

5 Jack August 9, 2010 um 14:19

Erstmal: Glückwunsch zur erfolgreichen Alpenüberquerung! Von den Höhenmetern habt ihr’s ganz schön krachen lassen.
Zur Etappe 5:
Ich würde so etwas niemanden wünschen – aber man muss bei so einem Vorhaben damit rechnen. Gott sei Dank ist alles nochmal gut gegangen. Ich wünsche ne ruhige Erholungsphase und freue mich auf die kommenden Bilder.

Ach ja: Und in ein paar Tagen wirst Du Dich so fit wie noch nie in diesem Jahr / deinem Leben fühlen! Freu dich drauf!

6 Ralph August 9, 2010 um 21:50

Na hoppla, sowas nenn ich dann mal richtig “scheisse” gelaufen!! Aber zum Glück nochmal gut gegangen :) Trotzdem Mist, wenn man sich so lange auf dieses Event freut und einen das Wetter so ärgert.

7 rotscher August 9, 2010 um 22:24

Da muss man keine Erklärungen finden. Bei solchem Wetter und Temperaturen sehr gut nachvollziebar. Zum Glück aber gut rausgekommen. Schade für die versäumten Trails und die herrliche Landschaft.
Und das Ganze mitten im Sommer. :-(

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