Das Oberengadin – gelegen in einem Hochtal der südöstlichen Schweizer Alpen – ist unter Mountainbike-Sportlern noch recht unbekannt. Die berühmteste Stadt des Engadin ist unbestreitbar St. Moritz. Unter St. Moritz stellt man sich allerdings primär kein Paradies für Mountainbiker vor. Zu fest sitzt das Bild von einer überteuerten Wintersportmetropole für die Schönen und Superreichen.
Was hat das Oberengadin also mit Mountainbiking zu tun? Wo kann man dort biken? Und vor allem: Kann man sich das als normal verdienender Mountainbiker überhaupt leisten?
Bereits im Oktober 2009 hatten schweizer und deutsche MTB-Blogger (einschließlich mir) die Gelegenheit, sich von der Mountainbike-Tauglichkeit des Oberengadin selbst zu überzeugen. Was wir dort gesehen und erlebt haben, war einfach überwältigend. Aufgrund des Umfangs wird mit diesem Artikel auf Trails & Bikes eine neue Serie gestartet. Bis Mitte Mai werdet Ihr im Rahmen dieser Artikelserie 5 Mountainbike-Routen im Engadin vorgestellt bekommen.
Doch nun zu den Fragen vom Anfang.
Mountainbiking im Engadin?
Ja! Man kann hier eine richtig gute Zeit mit dem MTB verbringen! Man beginnt in Celerina bereits auf über 1.700 m ü. NN. und hat trotzdem noch über 1.000 Höhenmeter Spielraum nach oben. Direkt an Celerina schließt das Wintersportgebiet Corviglia an. Die Betreiber der Bergbahnen Engadin St. Moritz haben im Jahr 2008 erstmalig den Fahrradtransport in einigen ihrer Bahnen ermöglicht. Dieses Angebot wurde so gut angenommen, dass man es bereits 2009 erweiterte und zusätzlich naturnahe Trails mit beeindruckendem Alpen-Panorama geschaffen hat. Für die Mountainbike-Saison 2010 wird natürlich weiter an der Erschließung neuer Trails gearbeitet.

- Der Olympiatrail ist einer von vielen technisch und touristisch reizvollen Singletrails
Wo geht’s hier zum Trail?
Die Corviglia – der Hausberg von St. Moritz und Celerina – ist im Winter Tummelplatz für tausende Skifahrer. Im Sommer wird sie zum Bike-Berg. Dort erwarten Euch aktuell schon teilweise 72 km lange Panorama Trails mit spektakulärer Sicht auf St. Moritz und die nicht weniger reizvollen Seitentäler. Egal ob Anfänger, Fortgeschrittener oder Profi. Auf der Corviglia wird jeder Radwege und Singletrails nach seinem Geschmack finden.
Seit 2009 besteht nun auch die Möglichkeit, sich von ausgebildeten Bike-Guides die reizvollsten Trails zeigen zu lassen.
Im Rahmen des Mountainbike-Wochenendes in Celerina, konnte ich mich auch über die Qualität von Guides und Trails vergewissern. Und beide haben dem Fahrspaß extrem gut getan:
Man bekommt alles geboten von sandig flowigen Singletrails mit traumhaftem Panorama bis hin zu steilen, verblockten Schotterspitzkehren, die wenig Zeit für den Genuss der rauhen Hochgebirgslandschaft lassen. Sollte man dann doch einmal das Hinterrad gegen die Kante einer Wasserrinne gesetzt haben, ist ein Guide schon auf dem Sprung, um den kaputten Schlauch zu wechseln.
Das passierte mir – trotz der guten Fahrtechniktipps der Guides – übrigens ganz schön oft.
Ehrlich gesagt, war mir diese Hilfsbereitschaft fast ein wenig unangenehm. Bin ich es doch gewohnt, selbst verschuldete Schäden auch selbst in Ordnung zu bringen.
Hinter diesem ganzen Service steckt ein großer und meiner Meinung nach wichtiger Gedanke: Der Schutz der Natur und das konfliktarme Miteinander zwischen Mountainbikern, Spaziergängern und Wanderern. Durch die Bereitstellung von vielen Singletrails in fast allen Schwierigkeitsgraden weichen die Biker nicht auf wilde Trails aus und belasten so nicht unnötig die sensible Hochgebirgsflora.
Weiterhin verlaufen die Bikerouten nur selten auf Wegen, die von Wanderern stark frequentiert werden. So versucht man, die Konfliktgefahr zwischen beiden Fraktionen so gering wie nur möglich zu halten.

- Wo gehobelt wird,… unterstützen einen die freundlichen Guides mit Material und Tat.
Wer soll das bezahlen?
Natürlich kann ein Mountainbike-Urlaub im Engadin preislich nicht mit einem Klischee-All-Inclusive-Hotel in der Türkei konkurrieren. Das gebotene Niveau pro Euro ist jedoch um einiges höher. ![]()
Hegt man nicht den Anspruch, direkt in St. Moritz logieren und dinieren zu wollen, findet man im weniger als 10 km nördlich gelegenen Celerina eine portemonnaie-freundliche Alternative. Die Übernachtungen in den dort liegenden Sport- und Familienhotels sind auch für Normalverdiener bezahlbar. Unsere Mountainbike-Gruppe war z.B. in der Inn Lodge untergebracht. Für die sehr geräumigen hochmodernen Zimmer wird nicht wesentlich mehr verlangt als in deutschen 3- bis 4-Sterne-Hotels. Die Abstellräume des Hotels bieten genug Platz für hochwertiges Mountainbike- und Ski-Equipment. In ihnen findet man sogar Werkzeug für kleine bis mittlere Reparaturen. Der Zugang zu diesen Räumen ist nur über die Keycard des Zimmers möglich. Eure Bikes stehen dort also gut ge- und versichert.
Für einen Mountainbike-Urlaub bietet Celerina einen weiteren Vorteil gegenüber St. Moritz. Der Bike-Shop in Celerina (an der Lift-Station zur Corviglia) ist Treff- und Startpunkt sämtlicher geführten MTB-Touren durch die Guides der Bergbahnen Engadin St. Moritz. Dort kann man sich auch Mountainbikes ausleihen, die qualitativ mit den Anforderungen vor Ort sehr gut mithalten können. Für schnelle Reparaturen steht das Personal jederzeit zur Verfügung. Mir wurde so binnen 5 Minuten die vordere Bremsscheibe wieder ausgewuchtet… for free.
Natürlich sollte so ein Urlaub auch Genuss beinhalten. Die tolle Landschaft gibt’s ja gratis dazu. Für den großen Hunger sollte man dann aber schonmal die lokale Gastronomie in Anspruch nehmen. Ich muss ehrlich sein, dass ich mir bis dahin unter der schweizer Küche nicht viel vorstellen konnte. Dementsprechend überrascht war ich über die Kombination aus herzhaften Speisen und mediterranen Gewürzeinflüssen. Dank der durchweg guten Küche war es mir leider nicht vergönnt, eine Gewichtszunahme zu vermeiden – trotz der ausgiebigen Mountainbike-Touren.
Fazit
Das Oberengadin um St. Moritz ist für Mountainbiker nicht nur geeignet, sondern einfach nur zu empfehlen. Das liegt nicht nur am sehr gut ausgebauten Singletrail-Netz.
Und ja, man kann sich einen Urlaub in dieser Region leisten. Gerade die Hotels in Celerina bieten umfangreiche Komplettpakete, die u.a. Bergbahn-Tickets und Leihbikes beinhalten. Für Informationen zu den Touren, Terminen, Hotels und Preisen empfiehlt sich ein Blick auf die Homepage der Bergbahnen Engadin St. Moritz.
Wie anfangs versprochen, werden Euch in den kommenden Wochen ein paar ausgewählte Strecken inkl. GPS-Daten vorgestellt. Freut Euch schonmal darauf. Denn diese Strecken kann man sprichwörtlich rocken. Ich verrate nur soviel: Es erwartet Euch ein Singletrail mit permanentem Ausblick auf die Alpenidylle und eine Tour mit 5.000 Höhenmetern… bergab!
| Tweet | ![]() |











{ 3 comments… read them below or add one }
Nur schon die Bilder machen zum biken an. Das Oberengadin ist landschaftlich der Hammer. Ein Paradies in den Alpen.
Ich freue mich auf die Tourenvorschläge. Bin diesen Sommer für ein verlängertes Wochenende dort.
Na klar Andreas, lass uns nur geifernd und sabbernd vor dem Monitor die wünderschönen Bilder betrachten, und uns nach 5000 hm Singletrails lechzen…
Danke, vielen Dank!
Du hättest nur noch den “jetzt buchen” Button in diesen Beitrag einbauen müssen!
Schon ‘ne geile Gegend. Für mich persönlich mit den Dolomiten die schönsten Flecken der Alpen.
Übrigens, im letzten Jahr war in einer Bike Zeitschrift auch ein Bericht zur Mountainbiker Initiative abgedruckt. Die scheinen es ernst zu meinen!