Mountainbike fahren unter Tage

by MTBTier on 16.11.2009 · 6 comments

in Touren

sdh01 Vor gut einer Woche schrieb Marco von www.mtb-blog.de über die regelmäßig stattfindenden Mountainbike Rennen im Salzbergwerk “Glückauf” in Sondershausen (Thüringen). Beim Lesen fiel mir ein: “Da war doch was!”
Im Frühsommer 2002 war ich selbst schon einmal in besagtem Bergwerk zum Mountainbike fahren. Allerdings fuhr ich damals nicht im Rahmen eines MTB Wettkamps sondern privat mit 2 Freunden. Das Ganze war eine sehr schöne Mountainbike Tour, die man mir zu Weihnachten geschenkt hatte. Aber wie fährt es sich eigentlich zwischen 550 und 1150 m unter der Erdoberfläche?

Im Erlebnisbergwerk “Glückauf” in Sondershausen wurde seit der Erteilung der Schürfrechte im Jahr 1891 bis 1991 – kurz nach der deutsch-deutschen Wiedervereinigung – Salz abgebaut. Danach funktionierte man es Stück für Stück zu einer Touristenattraktion um. Neben den klassischen Bergwerksführungen und den bereits erwähnten Mountainbike Events kann man auch Live Konzerte besuchen. Diese finden im speziell angelegten Konzertsaal statt, bei dessen Projektierung viel Wert auf eine optimale Akkustik gelegt wurde. So spielten vor zwei oder drei Jahren sogar die Stoner Rock Giganten Queens Of The Stone Age dort.

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Zurück zum Mountainbiking. Was erwartet Euch dort? Zuerst einmal werdet Ihr in den Stollen keine befahrbaren Singletrails oder verblockten Fahrtechnik-Passagen vorfinden. Früher wurde unter Tage mit schwerem automatisiertem Gerät gearbeitet. Dementsprechend breit sind die Wege.
Trotzdem fährt sich der Untergrund ziemlich tricky. Immerhin bewegt man sich auf salzhaltigem Gestein. In Kombination mit der relativ hohen Luftfeuchte bildet sich eine etwas schmierige Fahrbahn. Da wir uns damals über diese Tatsache im Klaren waren, sind zwei von uns (einschließlich mir) mit Spike Reifen auf die Tour gegangen. Im Nachhinein war das nicht zwingend notwendig. Man sollte aber schon einen Stollenreifen à la Schwalbe Nobby Nic einsetzen.
Wer sich auf gemütliches Dahinradeln auf breiten, wenig profilierten MTB Speedways freut, irrt sich dennoch. Teilweise erwarten den Unter-Tage-Biker Anstiege bis zu 16 % und scharfe Kurven.

Wie ich aus den Kommentaren bei Marco entnehmen konnte, bestehen Zweifel an der Qualität der Atemluft dort unten. Zuerst einmal ist die angenehm warm. Man kann ganzjährlich mit Temperaturen um die 25 °C rechnen. Der Salzgehalt und die Luftfeuchte sorgen für ein recht angenehmes Atemgefühl. Der Salzgeschmack auf den Lippen ist allerdings nicht so toll. Allgemein arbeitet die Bewetterung des Salzbergwerks Sondershausen sehr gut. Atmen unter Belastung stellt also kein Problem dar.
Als wir mit den Mountainbikes im Bergwerk unterwegs waren, wurden wir von 2 Diesel-Jeeps geführt- einer vor uns für nicht-bikende Begleiter und einer hinter uns für die Beleuchtung. Leider fuhren wir deshalb die ganze Zeit in einer unangenehmen Dieselwolke mit. Ich weiß nicht, inwiefern heute die geführten Touren zu Bike bewältigt werden. Das lässt sich beim Veranstalter mit Sicherheit erfragen.

sdh03 Was die Ausrüstung angeht, empfehle ich Euch trotz der warmen Temperaturen lange Hosen und Trikots. Denn ein Sturz kann auch bei einem kleinen Kratzer zum sofortigen Umstieg auf die Ladefläche des Geländewagens führen. Ich denke, jeder weiß, wie angenehm sich Salz in offenen Wunden anfühlt. ;-) Wir hatten auf unserer Bergwerkstour einen Mountainbiker dabei, der sich einen wirklich winzigen Kratzer am Knie zugezogen hatte. Die Schmerzen haben ihn sofort abbrechen lassen. :-(
Definitiv unnötig sind GPS Fahrrad Computer. Nicht einmal die CIA verfügt über Satelliten, die Euch in dieser Tiefe “weiterhelfen” können. *Wuharhar* Eine Zusatzbeleuchtung am Bike ist nicht unbedingt notwendig, aber trotzdem sinnvoll.

Nach der Tour empfiehlt sich eine gründliche Reinigung Eurer Mountainbikes, damit das Salz keine unschönen Korrosionseffekte an metallischen Komponenten auslöst.
Ansonsten kann ich Euch nur empfehlen, so eine Fahrt unter Tage mitzumachen. Es ist eine tolle Erfahrung.

Entschuldigt bitte die schlechte Qualität der Fotos. Es sind eingescannte Filmabzüge.

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1 Ralph November 16, 2009 um 18:07

Ein paar Freunde von mir sind da auch schon gefahren, haben richtig dolle davon geschwärmt :-) Eigentlich sollte ich mal mitkommen, reizt mich aber nicht wirklich so weit da unten zu Biken (Angst in engen Räumen) was soll man machen ;-)
ps. zu unseren Bäumchen bin ich leider nicht gekommen.

2 Gerd November 16, 2009 um 20:10

Das hört sich ja richtig geil an! Für so was wäre ich auch zu haben. Und die Salzluft wäre optimal für meine Bronchien.
Kann man dort auch Laufen?

3 MTBTier November 16, 2009 um 20:27

@Ralph: Ja gut, unter diesem Aspekt sollte man sowas dann doch lieber bleiben lassen. Richtig eng ist es allerdings nur im Fahrstuhl.

@Gerd: Also geführte Bergwerksbegehungen gibt’s dort auf jeden Fall. Du musst den Guides dann halt bissl Druck machen, damit sie Deinem Lauftempo gerecht werden. ;-)

4 Ralph November 17, 2009 um 07:16

Am 05.12.2009 findet dort der “Untertage-Marathon” statt :-)

5 Maddin November 17, 2009 um 15:59

Komisch, das hier noch nie jemand auf die Idee gekommen ist unter Tage zu fahren. Der Ruhrpott dürfte ja ein kompletter Karnickelbau sein. Es gibt zwar einen Ruhrpott-Cross von Duisburg nach Dortmund, aber halt oben!
Hmmh, Marktlücke??

6 MTBTier November 17, 2009 um 18:31

Marktlücke… wobei Steinkohlebergwerke oft nicht ganz so komfortabel sind, wie Salzstöcke.

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