Glatt rasierte Männerkörper gehören zu einem der neueren Schönheitsideale. Ich persönlich, kann mit dieser Modeerscheinung nichts anfangen. Auf die Hygiene bezogene Argumente halte ich für unsinnig, da die regelmäßige Verwendung von Wasser, Duschbad, Shampoo, Deo etc. sehr effektiv gegen Keime und Gerüche wirkt.
Wer hat’s erfunden?
Dieses Schönheitsideal existierte bereits in den Hochkulturen der Antike. Die Körperenthaarung mit einem pragmatischen/funktionellen Hintergrund würde ich jedoch auf den Sport zurückführen.
Im Bereich des Bodybuildings stehen auch hier optische (ich verzichte bewusst auf die Formulierung “ästhetische”) Aspekte im Vordergrund. Die Konturen der Muskelstränge sollen durch die Haare nicht weich gezeichnet werden. Zusätzlich kommen Bräunungsmittel zu Steigerung des Kontrasts durch Reflektionen zum Einsatz.
Weitere Sportlergruppen, welche die Anfänge begründet haben, sind meines Erachtens Schwimmer und Radsportler. In diesen Disziplinen wird hauptsächlich aus Pragmatismus auf Haare verzichtet. SchwimmerInnen profitieren dadurch von einem spürbar verringerten Strömungswiderstand.
Im Radsport ist die Verbesserung der Aerodynamik jedoch vernachlässigbar. Hier zählt vor Allem die leichtere medizinische Erstversorgung im Falle eines Sturzes. An offenen Stellen wachsen keine Haare in die Wunde. Und im Ernstfall kann schneller mit der OP begonnen werden, weil die verletzte Stelle nicht erst frei gelegt werden muss.
Auf sehr langen Strecken spielt auch der Sonnenschutz eine große Rolle. Sonnencreme wird sehr gut von den Haaren aufgenommen, bevor sie erst einmal Kontakt zur Haut bekommt. Ohne Haare ist der natürliche Sonnenschutz natürlich verloren, dafür erreicht man eine gleichmäßige Abdeckung der Haut mit Sonnencreme. Diese hält bei Sportlern eigentlich nicht lang, da sie vom Schweiß heruntergespült wird.
Und trotzdem bleibt der Vorteil gegenüber behaarten Gliedmaßen erhalten. Ein einzelner Schweißtropfen zwischen/an Haaren unterstützt Sonnenbrand wie eine Lupe. Bildet sich jedoch ein gleichmäßiger Schweißfilm auf der glatten Hautoberfläche aus, ist der reflektierte Anteil der UV-Strahlung sehr hoch.
Beim Mountainbiking, Trekking, Trail-Running etc. kommt noch ein weiterer – sehr wichtiger – Vorteil hinzu: Man findet Zecken wesentlich leichter und kann sie auch einfacher von der Haut abheben, bevor sie gestochen haben.
Wie stehe ich zum Enthaaren?
Vom Enthaaren aus Modegründen halte ich persönlich überhaupt nichts. Das liegt mit Sicherheit an meiner prähistorischen Einstellung zur Definition des Begriffs “männlich”, die auf die Epoche des späten Rock ‘n’ Roll und frühen Heavy Metals zurückzuführen ist.
Aus sportlicher Sicht halte ich die Enthaarung jedoch für sinnvoll. In der Mountainbike-Saison sind deshalb Arme und Beine nackt.
Bis jetzt habe ich fast jede Enthaarungsmethode ausprobiert:
- Rasieren: Stoppelt schon am nächsten Tag und bei dichterem Haar verbraucht man pro Bein ein bis zwei (recht teure) Rasieraufsätze.
- Enthaarungscremes: Stinken wie die Pest und man möchte eigentlich gar nicht wissen, welche Chemikalien da von der Haut aufgenommen werden.
- Kaltwachsstreifen: Gemessen an den Schmerzen, ist die Wirkung bei etwas dichterer Behaarung enttäuschend.
- Epilieren: OUCH!! Aber es funktioniert und hält doch locker mal 2 Wochen!
Seit nun mehr 2 Jahren bin ich überzeugter Epilierer
. Klar, die Schmerzen sind anfangs bestialisch, aber ein Indianer… eh klar!
Prinzipiell nervt mich die elende Enthaarerei. Insofern bin ich dankbar, dass ein bis zwei Stunden Schmerzen mit 2-3 Wochen Frieden honoriert werden.
Und nun kommt für mich der Teil meines freien Tages, der mich auf dieses Thema gebracht hat: Es stoppelt schon wieder… Frei nach The Big Lebowski: “Du begibst dich in die Welt des Schmerzes.”
In der Zwischenzeit könnt Ihr ja mal in den Kommentaren Eure Meinung zu diesem Thema los werden. Enthaarung Ja oder Nein? Welche Methode? Aus welchem Grund macht Ihr das? Ist mein Artikel totaler Schwachsinn… usw. usf.
(Ich weiß, dass dieses Thema vielen Sportlern (einschließlich mir) ein wenig peinlich ist. Trotzdem würde ich mich über eine angeregte Diskussion zu dem Thema freuen.)
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{ 6 comments… read them below or add one }
Ich bin ein bekennender Enthaarer
Aber bei mir ist es die Rasur mit Klinge!!!
Das epillieren lass ich sein, die Schmerzen sind mir dann doch zu heftig
Liege da ständig im Zwist mit meiner Holden, die behaarte Beine einfach besser findet. Wobei ich weniger aus sportlichen Gründen enthaaren würde, die paar Kratzer sind bis jetzt auch immer so sehr gut verheilt, aber ich finde Pelzbeine in Lycra Radhosen schlicht und ergreifend unpassend und unschön. siehe auch :
http://www.team-ruhrpott-express.de/2009/01/beine-geschalt-oder-lieber-doch-nicht/
Aber wenn das Fell abkommt, dann nass oder mit dem alten Braun, aber kein epilieren. Nee!!
@Maddin: Interessant. Demnach ist meine Freundin nicht die einzige Frau, die Männer mit Beinbehaarung besser findet.
Was auch total bescheiden aussieht, sind durch die Lycra-Hose durchspießende Haare.
Stimmt!!! Es ist schrecklich wenn da Haare durch zu sehen sind!
*kicher* Ich erinnere mich gerne an mein “dummes” Gesicht, als mein kleiner Stiefbruder vor vielen Jahren zu mir kam und mich nach meinen Beinenthaarungs-Methoden fragte. Er war damals im Radrennsport aktiv und wollte natürlich auch zur Fraktion “glatt” und nicht zu “bärig” gehören
Wir Frauen haben Euch da ja so ein bißchen was voraus. Ich enthaare mich regelmäßig und nutze dafür meinen uralten aber leistungsfähigen Elektrorasierer
Ein ewig aktuelles Thema. Bin hauptsächlich Schwimmerin und “nebenbei” Radfahrer. Entsprechend wird auch enthaart, was geht. Aber die schmerzfreie Variante, mit Nass-/Elektrorasierer
Feines Blog übrigens!